Auf Denkmäler zielen

- Was wäre, wenn es im Weltraum Öl gäbe? Und was wäre, wenn man im Weltraum Kunst machen würde? Da würden wohl die UN-Bestimmungen sehr schnell außer Kraft gesetzt werden und der Streit um die Macht losgehen. Beate Engl hat in einer Art Planetarium die hinterlistige Frage nach öffentlichen Räumen projiziert.

<P>Ein Thema, das alle in der Münchner Galerie der Künstler angeht: Denn die sieben Kollegen der Ausstellung "Die ersten Jahre der Professionalität" werden sich künftig auch mit dem Markt auseinander setzen müssen. Engl hat dazu ein Museumsprojekt von rückwärts aufgezogen und präsentiert den Shop mit Konsumschnickschnack noch lange vor dem skurrilen Projekt im Bayerischen Wald.<BR><BR>Die Frage nach der Vermarktung ist nicht immer so leicht. Beispiel Keiji Kawashima: Er hat einen ganzen Raum mit kleinen Propellern bestückt, in Balance mit Scheiben auf Ständern befestigt. Sie werden sich gegenseitig zum Rotieren bringen - oder im Gleichgewicht verharren. Nur ein Physiker kann so etwas austüfteln und die Faszination der Technik sowie Zeit und Raum in ein Stück Ästhetik und art pour l'art umsetzen.<BR><BR>Bei Steffen Werner ist - nach Selbstversuchen - der Besucher an der Reihe: Er muss mit dem Luftgewehr auf die kleine Metallente schießen, damit die Raumprojektion des Prinzregentenplatzes sich in Bewegung setzt. Hier verzahnt sich eine einfache Installation mit komplizierter Medienkunst, deren technische Raffinesse verborgen bleibt. Man steht sozusagen an einer Schießbude und zielt auf Kulturdenkmäler, auf dass sich der Kunstbegriff verändere und eine neue Ästhetik Einzug halte.<BR><BR>Stefan Wischnewski ist der Vierte im Bunde, der Räume umbaut. Zum Song "Blue Hotel" hat er einen Wohntunnel aus Zeltplanen und Gerüst errichtet, der auf Motels verweist, andererseits auf Notausgänge. Er schafft somit die Bündelung und auch die Abstraktion von Lebensräumen, äußerst mobil und dem flüchtigen Zeitgeist entsprechend.<BR><BR>Cora Piantoni beugt sich von Geländern, rollt sich in Fensternischen zusammen, streckt sich zwischen Hecken aus oder duckt sich unter Vorsprünge. So wird sie zur Raumskulptur, gestaltet Gegensätze, greift Typisches auf und lenkt in ihren Fotos vor allem den Blick auf die Wirkung von unscheinbarer Alltagsarchitektur.<BR><BR>Den umgekehrten Weg geht Sabine Pfaff: In ihren Aufnahmen verbannt sie den Menschen von populären Orten. Übrig bleibt ein Stück Regal, ein buntes Kinderzimmer-Eck, eine alte Eistruhe, die verlassen nur sich selbst darstellen. Besonders beeindruckend ist die Ästhetik eines silbernen Nachttresors auf roter Wand oder ein Geldzählautomat. Nüchtern, unnahbar erzählen die Fotografien von der pulsierenden Geschäftswelt, der Macht des Geldes und der Maschinen.<BR><BR>Ina Ettlinger ist die Einzige, die sich - auf den ersten Blick - der Sogwirkung der Architektur und der Raumdefinition entzieht. Für ihren "Sommerschlussverkauf 2004" nähte sie vor allem Teenie-Kleider um zu wattegefüllten Objekten, die aus der Wand kraken, sich zu kleinen Skulpturen aufbäumen oder hinuntertropfen. <BR>Während die Palmeninseln als Deko-Objekt jeden sofort ansprechen, wirken die grafischen Muster und ihre plastische Ausdehnung auf den zweiten Blick. Dann aber ist klar, dass es hier um einen Zwischenbereich geht, der die Malerei in den Raum bringt und Abstraktion greifbar werden lässt.</P><P>Bis 15. Oktober, Maximilianstr. 42, Tel. 089/ 22 04 63, Katalog: 9 Euro.<BR></P>

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