„Frei nach dem Lustprinzip“: Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ am Sonntag im Circus Krone. Foto: falke

Das Denkmal steht noch

München - Reklamation hieß ihr bekanntestes Stück. Jahre nach dem Meilenstein haben sich Wir sind Helden verändert. Wie würde es das Publikum aufnehmen?

Das Schöne an Judith Holofernes' eingängigen Texten ist ja, dass man sie auch nach Jahren des Nichthörens in Sekundenschnelle aus dem Gedächtnis hervorkramen kann. Wenn „Wir sind Helden" zum Konzert laden, singt das ganze Publikum mit - so zumindest war es auf früheren Tourneen. Doch wie ist es diesmal, sieben Jahre nach dem popmusikalischen Meilenstein „Die Reklamation"? Wie kommen die Stücke des ansprechenden vierten Albums „Bring mich nach Hause" an?

Die Band war sich da selbst nicht so sicher, testete ihr Programm mit einer Reihe von Geheimkonzerten in kleinen Clubs und unter dem Namen „Wo sind Helmet?". Im ausverkauften Circus Krone wartet nun das große Publikum. Und das gibt sich vier Nummern lang erstaunlich bedeckt, nur Holofernes rudert mit den Armen und tanzt. Erst als bei „Echolot" die Gitarren einsetzen, hüpft die Meute. Und wird damit bis zum Ende des eineinhalb Stunden langen Konzerts nur dann aufhören, wenn Holofernes ein ruhiges Stück anstimmt.

Doch dann singen die Fans mit, so wie früher: „Die Zeit heilt alle Wunder / schon nach wenigen Jahren / nur noch Narben da wo Wunder waren." Die Helden sind Wunder geblieben, ihre Fans haben sie nicht vergessen. Das Denkmal, das die Band sich einst gebaut hat, reißt sie freilich nicht ein. Die Band vergisst keinen Hit - obwohl Holofernes ankündigt: „Bei der Auswahl der Lieder sind wir frei nach dem Lustprinzip vorgegangen."

Vielleicht muss man „Aurélie", „Guten Tag" und „Nur ein Wort" spielen, wenn man gekommen ist, um zu bleiben. Dafür gibt es an diesem Abend nur wenig von der neuen Platte zu hören. Was Holofernes aber anstimmt, klingt gut und frisch: Bei „Nichts, was wir tun könnten" steht sie mit ihrer klaren Elfenstimme alleine auf der Bühne. „Alles auf Anfang" erinnert irgendwie an „Waka Waka". Und sicher ist: Die Fans hatten keinen Vorschlaghammer dabei, für den Fall, dass die Helden „Denkmal" nicht spielen.

Thierry Backes

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Frauensache: Fünf Regisseurinnen ausgezeichnet
München - Ein starkes Signal beim 38. Bayerischen Filmpreis: Im Münchner Prinzregententheater wurden am Freitagabend fünf Regisseurinnen ausgezeichnet.
Frauensache: Fünf Regisseurinnen ausgezeichnet
Der Nussknacker wirbelt durchs Deutsche Theater
München - Fredrik Rydman begeistert mit seiner zeitgenössischen Version „Nutcracker reloaded“ in Münchens Deutschem Theater. Lesen Sie hier unsere Premierenkritik:
Der Nussknacker wirbelt durchs Deutsche Theater
„Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“-Macher: Öffentlicher Auftritt in München
München - Bisher versteckte sich der Kopf hinter einer der gerade erfolgreichsten deutschen Facebookseiten. Jetzt tritt er erstmals öffentlich auf. Was ist das für 1 …
„Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“-Macher: Öffentlicher Auftritt in München
Stadt macht Dieter Hildebrandts Witwe eine Freude
München - Nachdem es bei der letzten Verleihung des Dieter-Hildebrandt-Kabarettpreises einige Verstimmungen gab, hat die Stadt nun reagiert. Und macht der Witwe des …
Stadt macht Dieter Hildebrandts Witwe eine Freude

Kommentare