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Freunde seit ihrer Jugend: Nick (Kevin James, li.) und Ronny (Vince Vaughn) teilen nicht nur ihre Sportbegeisterung

„Der Film soll mich formen – nicht ich ihn“

München - Regisseur Ron Howard über seine neue Komödie „Dickste Freunde“, Risiko in Hollywood und seine Rolle beim Dreh:

Ron Howard sieht mit dem schütteren Haar, den roten Bartstoppeln, einem sympathisch verknitterten Gesicht und der legeren Kleidung aus wie ein freundlicher amerikanischer Frührentner. Während des Gesprächs entschuldigt er sich, um sich Wasser aus der Minibar der Hotel-Suite zu holen. Andere Hollywoodstars rufen dafür gerne ihren Assistenten. Man mag den 56-Jährigen sofort. Er ist so normal, dass es schon wieder spektakulär ist. Dabei gehört Howard zu den fünf erfolgreichsten lebenden Regisseuren der Welt. Allein in Deutschland haben mehr als 25 Millionen Menschen eine seiner Produktionen – etwa „Apollo 13“, „Sakrileg“ oder „Frost/Nixon“ – im Kino gesehen. Am Donnerstag läuft sein neuer Film „Dickste Freunde“ an.

Ihr Film wird als Komödie beworben, hat aber viele dramatische und nachdenkliche Momente. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Das Projekt ist etwas riskant, das stimmt schon. Aber eben das hat mich ja daran gereizt, dass es etwas eigen ist. Man muss abwarten, wie es rein geschäftlich funktioniert. „Dickste Freunde“ ist auf jeden Fall anders als andere Filme, die in Hollywood hergestellt werden. Generell ist es aber genau diese Ungewissheit, die mich am Filmemachen immer noch fasziniert. Niemand weiß, wie es ausgeht. Jedenfalls will ich keine Filme drehen, die man sozusagen auf Autopilot macht. Mir ist es lieber, etwas zu wagen, als immer auf Nummer Sicher zu gehen.

Mit anderen Schauspielern und kleinen Änderungen im Drehbuch könnte der Film auch als Psycho-Thriller durchgehen.

Das war tatsächlich die Idee. Ich wollte ihn wie einen psychologischen Thriller aus den Achtzigerjahren drehen – „Verhängnisvolle Affäre“ etwa – nur etwas übertrieben und verspielt. Dieses Humoristische, Leichte war ganz anders als das, was ich in den vergangenen Jahren gemacht habe, deswegen habe ich es sehr genossen.

Sie drehen immer sehr teure, aufwändige Filme – kann man sich da Risikobereitschaft leisten?

Wenn man einen hoch budgetierten Film für ein großes Studio dreht, ist das durchaus einschüchternd. Gleichzeitig hat man unglaubliche Möglichkeiten. Letztlich bleibt einem nichts anderes übrig, als sich zu vertrauen und das zu tun, was man für richtig hält – wie immer im Leben. Nichts am Filmemachen ist leicht oder einfach. Man hält es auf lange Sicht nur aus, wenn man diese Arbeit wirklich liebt. Wer es wegen des Ruhmes oder Geldes macht, wird bald sehr enttäuscht sein.

Sie haben beim berühmten Regisseur und Produzenten Roger Corman (etwa „Heiße Colts und schnelle Pferde“, 1955) angefangen, der bekannt dafür war, extrem billige Filme zu produzieren. War das eine gute Schule?

Absolut. Was man dort als junger Filmemacher lernt: Vorbereitung ist das Wichtigste. Und er ermutigt jeden, eine eigene Handschrift zu entwickeln, obwohl er kommerzielle Genrefilme produziert. Vor allem aber hämmert er einem ein, nie das Publikum aus dem Blick zu verlieren, für das man den Film dreht. Und von alledem profitiere ich heute noch. Wenn beim Drehen alles organisiert und vorbereitet ist, verschafft das den Schauspielern die Zeit und den Raum, sich völlig auf ihre Rollen einzulassen. Wenn man im Zeitplan hinterherhängt oder schlecht organisiert ist, leidet die Kreativität – völlig unabhängig davon, wie viel Geld da ist.

Ihre Filmografie ist ungewöhnlich. Man kann kaum glauben, dass „Da Vinci Code“, „Der Grinch“, „A Beautiful Mind“, „Apollo 13“ oder „Kopfgeld“ vom selben Regisseur sind. Wie entscheiden Sie, was Sie drehen?

Ich mag einfach alle Arten von Filmen. Wenn mir eine Geschichte gefällt, will ich sie möglichst akkurat umsetzen, ohne sie zu meiner eigenen Geschichte zu machen. Es ist nicht mein Ehrgeiz, einen wiedererkennbaren Stil zu haben oder bestimmte Einstellungen zu drehen, für die man bekannt wird. Der Film soll eher mich formen als ich ihn. Letztlich sind es immer die Charaktere, die mich interessieren. Und die Filme, auf die ich stolz bin, sind die, in denen die Schauspieler diese Charaktere zum Leben erweckt haben.

Das klingt nicht nach dem Klischee vom allmächtigen Regisseur...

Ich versuche, eher ein Diener zu sein. Ich will der Geschichte dienen, die ich erzähle, und dem Publikum, von dem ich immerhin verlange, dass es sich die Zeit nimmt, meinen Film anzusehen.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

Darum geht es in „Dickste Freunde“

Ronny (Vince Vaughn) und Nick (Kevin James) sind nicht nur Geschäftspartner, sondern auch beste Freunde. Leider findet Ronnie zufällig heraus, dass Nick von dessen Frau (Winona Ryder) betrogen wird, und weiß nicht, wie er das seinem Freund beibringen soll. Also versucht er, das „Problem“ auf eigene Faust zu lösen – damit beginnt ein Albtraum aus Lügen, grotesken Verwicklungen und peinlichen Situationen. Oscar-Preisträger Ron Howard widmet sich mit „Dickste Freunde“ nach längerer Pause wieder dem Genre, mit der er als Regisseur einst begonnen hat: der Komödie. Die Filmkritik lesen Sie am Donnerstag.

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