Mit Sinn für Selbstironie: Herbert Grönemeyer 1982. Sein Hit „Currywurst“ ist übrigens eines der wenigen Lieder, das er nicht selbst geschrieben hat. Der Text stammt von Horst-Herbert Krause und Diether Krebs, die Musik von Jürgen Triebel.
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Mit Sinn für Selbstironie: Herbert Grönemeyer 1982. Sein Hit „Currywurst“ ist übrigens eines der wenigen Lieder, das er nicht selbst geschrieben hat. Der Text stammt von Horst-Herbert Krause und Diether Krebs, die Musik von Jürgen Triebel.

Herbert Grönemeyer feiert 65. Geburtstag

Der Pop-Gigant Grönemeyer wird 65: Mensch Herbert!

  • Katja Kraft
    vonKatja Kraft
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Er ist einer der größten Popmusiker Deutschlands, mit 74-Nummer-eins-Wochen gar Rekordhalter in den deutschen Album-Charts: Herbert Grönemeyer. Seine größte Stärke: Trotz aller Höhenflüge irgendwie immer „einer von uns“ geblieben zu sein. Nun ist der große Pop-Poet 65 Jahre alt geworden.

  • Herbert Grönemeyer hatte 74-Nummer-eins-Wochen in den deutschen Album-Charts - Rekord!
  • Seine Konzerte sind innerhalb kürzester Zeit ausverkauft
  • Auch für sein Engagement gegen Rassismus und den Hunger in der Welt schätzen ihn seine Fans

Wenn man schon sehr oft sehr leidenschaftlich über Herbert Grönemeyer geschrieben hat, fürchtet man ein bisschen, sich zu wiederholen. In solchen Momenten hilft als Inspiration eine der selbst gebrannten Mix-CDs aus Zeiten, in denen es noch kein Spotify und Co. gab. Darauf steht dann zum Beispiel „Sommer 2006“ – und kaum erklingt das erste Lied, fühlt es sich wieder kribbelnd-warm nach Fußballmärchen an. Die Weltmeisterschaft im eigenen Land ist im kulturellen Gedächtnis verknüpft mit Sönke Wortmann und einem riesigen Oliver-Kahn-Plakat am Münchner Flughafen; mit Traumwetter und Weltoffenheit; mit Jürgen und Jogi.

Doch die WM 2006 ist auch „Zeit, dass sich was dreht“. Herbert Grönemeyers Song bei der Eröffnungszeremonie am 9. Juni in München. Er war am Schluss dran, die Abgesandten der Teilnehmerländer waren längst auf dem Feld versammelt; viele Männer in Lederhosen waren zu sehen. Dazwischen Legende Pelé. Eine etwas bizarre Mischung. Und dann – kam Herbert. In lässiger Klamotte lief er ins Stadion ein und begann mit dem Duo Amadou & Mariam zu afrikanischen Trommeln zu singen. Auch wenn sie nicht so ganz verstanden, was der fröhliche Mann da gerade schmetterte, ließen sich die Gäste aus aller Welt anstecken von seiner guten Laune. Das ist es, das Phänomen Grönemeyer.

Der Mann, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, ist selbst wie ein Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft. Viele behaupten zwar, nichts mit dem Sport anfangen zu können – zum Public Viewing kommen sie dann aber doch alle und amüsieren sich prächtig.

Grönemeyer ist Currywurst und Stadion, auf diese Schnittmenge kann sich jeder vom Steiger bis zum Vorstandsvorsitzenden einigen. Er ist Multimillionär – und wirkt doch immer wie „einer von uns“. „Das scheint uns Deutschen besonders wichtig zu sein. Wir verlangen von unseren Künstlern: Flieg für mich, aber bleib mit den Füßen am Boden“, hat er selbst einmal seine besondere Beziehung zum deutschen Publikum beschrieben.

In seinem Element: Herbert auf der Bühne.

Die Fans lieben Herbert für seine Liedtexte, die auch als gedruckte Gedichte funktionieren. In denen er mit der deutschen (ebenso: der englischen und der französischen) Sprache spielt; Redewendungen virtuos verändert. Sie lieben ihn für Zeilen wie „zwischen Kissen geschlachtet/ feinster Lustmord/ wiedergeboren, Liebesakkord/ will mehr, viel mehr“ („Ich will mehr“, 1990) oder „Es tropft ins Herz“ („Unbewohnt“, 2002) oder „Bleibt alles anders“ („Bleibt alles anders“, 1998).

Sie hören ihn, weil er für jede Stimmung eine musikalische Lösung anbietet. Für verliebte Momente („Mehr geht leider nicht“, 1986) genauso wie für das Ende großer Gefühle – wo man laut aufdrehen und den Ärger ablassen möchte („Nach mir“, 1998). Für Phasen voll Trauer („Neuer Tag“, 2014). Dann wieder als Motor für einen Neubeginn („Neuland“, 2002), als Mutmacher („Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht“, 2002). Und wenn nichts mehr geht, gibt’s immer noch den „Mambo“ (1984).

Sie schätzen ihn für sein Engagement beispielsweise gegen Rassismus und Hunger in der Welt. Sie strömen zu seinen Konzerten wegen seiner unfassbaren Live-Präsenz, die auch die, die nur als Anhang mitgeschleppt worden sind, irgendwann heftig tanzen lässt. Und ein bisschen beneiden sie ihn – vor allem für seinen unnachahmlichen Sinn dafür, über sich selbst lachen zu können. Mit 74 Nummer-eins-Wochen ist Grönemeyer der am häufigsten an der Spitze der deutschen Album-Charts platzierte Künstler. Er muss nichts mehr beweisen. Sondern darf sein verschmitztes Lächeln aufsetzen und mit großer Lust am Leben Hymnen auf sich selbst schreiben. Wie 2011, im herrlichen „So wie ich“. Der Refrain geht so: „Ich bin total in mich verliebt (Keiner liebt mich so wie ich)/ Ich bin so froh, dass es mich gibt“. Mensch, Herbert, wir auch!

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