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Wunderbar aufeinander eingespielt: die Schauspieler Philipp Lind und Matthias Renger (v. li.).

Der Tod und das ewige Leben

München - Nachwuchsplattform der Schauburg: Tobias Ginsburg inszenierte das Projekt „Endlich“ für Jugendliche ab 15 Jahren. Eine Premierenkritik:

Der Tod – nicht begreifbar und unausweichlich. Ungerecht. Aber auch gerecht, weil er keine Ausnahme macht. Auf jeden Fall von uns Menschen verdrängt. Erstaunlich, dass ausgerechnet ein junger Regisseur, Tobias Ginsburg, Absolvent der Bayerischen Theaterakademie, dieses große Tabu-Thema auf die Bühne bringen wollte. Bestens geeignet dafür erwies sich die Nachwuchsplattform „Next Generation“ des Münchner Theaters der Jugend (TdJ). Auf der kleinen Schauburg-Studiobühne hatte jetzt – passend zu Allerseelen – Ginsburgs semi-dokumentarisches „Endlich“ für Jugendliche ab 15 Jahren Premiere.

Aber auch die älteren Jahrgänge waren gebannt, wie geschickt Ginsburg verschiedenes Thematik-bezogenes Material montierte: aus dem auf elf Tontafeln erhaltenen rund 4000 Jahre alten Gilgamesch-Epos („Derjenige, der die Tiefe sah“ ist ein belegter Titel), aus der Bibel und aus literarischen Texten von Jean Amery bis Judith Butler und Jean Ziegler. Plus Interviews von mit Todes-Fragen Beschäftigten.

Dass diese eigentlich mächtige Text-Collage so spielerisch leicht rüberkommt, liegt vor allem an den beiden jungen, in Dialog und Wort-Schlagabtausch wunderbar aufeinander eingespielten Darstellern. Philipp Lind und Matthias Renger referieren sogar statistische Erhebungen („Jedes in Sierra Leone geborene Kind wird nur 31, bei uns 82 Jahre“) ohne Dröge. Sie spielen König Gilgamesch und Freund Enkidu, der für seinen Mord an Zedernwald-Hüter Humbaba mit tödlicher Krankheit bestraft wird. Eben sterbend hingesunken auf einen der immer wieder umgebauten Schaumstoff-Quader, erhebt sich Lind gleich wieder für den Spielfortgang. Fast wie in einem flotten Tennis-Match wechseln theatrale Szenen und faktische Vermittlung. Zwischendurch fallen die beiden auch immer mal wieder privat flapsig aus ihren Rollen („Hier fehlen 46 Zeilen der Tontafel“), kabbeln sie sich kumpelhaft. Begeben sich auf diese Weise auf die Ebene ihrer jungen Zuschauer.

Sie lassen damit gleichzeitig durchscheinen, wie solch eine „Stückentwicklung“ (Ginsburgs Definition) entsteht. Genau so, ohne pädagogische Zentnergewichte, muss man’s machen, wenn man bei (jungem) Publikum das Thema aus der Verdrängung hervorholen möchte. Auch wenn die Interview-Einspielungen (Video-Installation: Dennis Zyche) zweier „Todesforscher“ (heute noch?) kuriose Utopien sind, bestätigen sie doch den menschlichen Wunsch, das Leben bis in die Unendlichkeit fortzusetzen. Der interviewte Herr S. zum Beispiel ist überzeugt von der in den USA und auch schon hierzulande praktizierten Kryonik, die durch spezielle Konservierung – eine Kühlung bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff – die spätere Wiederbelebung möglich machen soll. Das Duo lässt dazu wie in einer Alchimistenküche viel Theaternebel aus einer Flasche wallen.

Ein paar mehr Ansichten, Hoffnungen, Wünsche oder auch Zweifel zum Sterben und Weiterleben von Menschen im Hier und Heute hätte man sich gewünscht. Ein bisschen schwach ist Ginsburgs Kapitel „Trauer“. Da schlafft auch die Spannkraft seines Schauspieler-Duos etwas ab. Aber dafür, dass die „Next-Generation“-Produktionen mit Winz-Budget und mit Knapp-Probenzeit auf die Beine gestellt werden müssen, war es eine exzellente Leistung.

Nächste Vorstellungen diesen Samstag, 21 Uhr, Sonntag, 17 Uhr; Telefonnummer: 089/ 233 371 55 .

Von Malve Gradinger

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