Derber Geschmack

- Meint er es ernst oder nicht? Beifallsstürme jedenfalls erregte der Kabarettist Günter Grünwald mit der Premiere seines Programms "Glauben Sie ja nicht, wen Sie da vor sich haben" im Münchner Lustspielhaus.

<P>Der Supermarkt, die Familienfeier, die Kirche, das Alter, Mann und Frau: Nichts Menschliches ist diesem Komiker fern. Natürlich können scharfsinnige Beobachtungen aus dem Alltag ob ihres Wiedererkennungseffekts sehr amüsieren. Grünwald tendiert allerdings zur losen, assoziativen Aneinanderreihungen von Kalauern, die so nicht zum ersten Mal probiert werden. Oft sind seine Pointen ziemlich berechenbar, die Figuren seiner Anekdoten stereotyp. Sein Ton ist dabei, vornehm ausgedrückt, bodenständig. Die Karikatur der bayerischen Volksseele gelingt auf jeden Fall, und das Publikum tobt vor Vergnügen.<BR><BR>Stiller wird es allerdings, wenn der Kabarettist den Herrn Jesus Christus im Meer statt am Kreuz sterben lässt und zum Gedenken ein Aquarium auf dem Altar errichten möchte. Der Botschafter des schlechten Geschmacks und Meister der Scherzgrenzen hat gesprochen. Ob es zusätzliche Schmuddelgeschichten aus dem Swingerclub und über Monis üppige Schambehaarung braucht, liegt im Ermessen jedes Einzelnen. Sachsen werden von Grünwald genauso abgewatscht wie Homosexuelle. Politisch ist das kaum, politisch korrekt schon lange nicht. Das heißt, nicht auf den ersten Blick. Denn Grünwald hegt keinen geringeren Anspruch, als der Gesellschaft die Maske vom Gesicht zu reißen. Dabei bleibt seine Bühnenfigur, der bajuwarische Spießbürger, allerdings ein bisschen zu ungebrochen.<BR><BR>Man könnte also durchaus glauben, was man vor sich hat: ein Programm von recht derbem Charakter - was nicht jedermanns Sache ist. </P><P>Weitere Termine: 15. 6., 16. 6., 4. 7., 11. 7., 25. 7.; Karten unter: 089/ 34 49 74.<BR></P>

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