Attacken auf den Zeitgeist: Martina Schwarzmann. MM

„Des daad mi ’moi jucka...“

München - Martina Schwarzmanns neues Programm „Wer Glück hat kommt“ im Münchner Lustspielhaus

Von Rudolf Ogiermann

Wer schreckhaft ist, sollte dem Kinderwagen, den Martina Schwarzmann vor sich herschiebt, nicht zu nahe kommen, denn es könnte durchaus sein, dass nicht ihre Tochter drin liegt, sondern - eine Pute. Peng! Zerplatzt ist es, das schöne Bild. Und die junge Frau mit der imaginären Nadel grinst sich eins. „Wer Glück hat kommt“ heißt das neue Programm der Kabarettistin aus Überacker bei Fürstenfeldbruck - und wer am Dienstag das Glück hatte, die Münchner Premiere im Lustspielhaus mitzuerleben, kam aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Nein, man traut es dem Madl mit Jeans, Bluse, Gitarre und dem altmodischen Haarknoten gar nicht zu, dass sie so schrecklich gerne ihre Mitmenschen vor die Betonköpfe stößt. Dabei ist es die reine Notwehr, die die junge Mutter dazu treibt. Wie sonst sollte man die neugierigen „Grabscher“ vom Baby fernhalten als mit einer Attrappe? Auch sonst stellt Schwarzmann gerne allerhand an, lockt Wildschweine auf Golfplätze, bringt Buchs zum Blühen, um die Oma zu derblecken, und Verkäuferinnen zum Erröten, weil sie das Unaussprechliche ausspricht.

Nur wer seinen Bulldog beherrscht, kann auch quer zur Furche ackern, und, kein Zweifel, Martina Schwarzmann kennt ihre ländliche Welt, die Modesünden von einst und jetzt, die „gscheckerten Schippe“, all das, was das (Zusammen-)Leben kompliziert machen kann. Der kernige Dialekt ist das Mittel zum Gag, er nimmt selbst rustikalen Attacken auf den Zeitgeist - vom Après-Ski-Getöse bis zum Laubbläser - die Schärfe. „Des daad mi ’moi jucka...“ - der Refrain eines ihrer Lieder ist und bleibt das Credo eines ewigen „Lausdeandls“, die auch als erwachsene (Ehe-)Frau und Erziehungsberechtigte nicht verlernt hat, ihre subversiven Fantasien in witzige Worte zu kleiden - und dabei nie ihr heiter-hinterkünftiges Lächeln zu verlieren.

Weitere Termine:

Bis Samstag, um 20.30 Uhr, und wieder vom 28. bis 30. 6., Telefon 089/ 34 49 74.

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