"Des mach ma!"

- Wenn die Kinder mit den Palmwedeln winken beim Einzug König Sauls, sei man schon sehr an die Passion, an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert, lacht Christian Stückl. Zurzeit probt der Intendant des Münchner Volkstheaters jeden Tag in seinem Geburtsort Oberammergau. "I bin's gar nimmer gwöhnt vom Theater her", denn da laufen die Proben tagsüber ab. Die Laienspieler aber kommen um vier, fünf Uhr nach der Arbeit auf die Bühne des Passionstheaters, müssen erst einmal ihre Müdigkeit überwinden und sich auf "König David" einstellen. Premiere ist am 22. Juli.

Rolf Zigon, 1. Bürgermeister am Ort, Stückl und auch Komponist Markus Zwink sind sich einig, dass man mit diesem Projekt nicht irgendwie die Halbzeit zwischen zwei Passionsspielen (alle zehn Jahre) füllen, sondern dass man den Nachwuchs ans Theaterspielen beziehungsweise Singen und Musizieren heranführen möchte. Training also für das Großereignis, das Christian Stückl bereits zweimal inszeniert hat (1990, 2000). Mit Riesenerfolg. Aber Training allein ist bei Stückl nicht denkbar.

Über 400 Darsteller

So gründlich er sich mit der Passionsgeschichte auseinandergesetzt hatte, so genau untersuchte er die Tradition der "Übungsspiele". Sie gehen auf die barocke "Kreuzesschule" zurück, in der zum Beispiel die Seele auftrat und Jesus befragen durfte. Dieses dramatische Zeigen und Lernen, Sich-Vergegenwärtigen und Nachempfinden wurde in der Aufklärung zwar verboten, lebte aber weiter. Die Oberammergauer hielten an ihrer Spiellust fest. Dazu gehörten die "verdrehten Passionen", wie Stückl erzählt. Episoden aus der Bibel werden so dargestellt, dass sie auf Jesu Leben und Leiden verweisen. Eine theologische Strategie, das Alte Testament auf das Neue hin zu lesen. Und so wurde David mit Jesus parallel gesetzt.

"Des mach' ma!", sagte Stückl - und Oberammergau machte mit. Über 400 Menschen stehen auf der Bühne. Auftreten werden sie zwischen Stefan Hageneiers "Showtreppe" und roter Wüstenlandschaft und zu der effektvollen Musik von Markus Zwink, der schon seit März probt. 80 Chorsänger werden aufgeboten und 65 Musiker. Eine Passionsvariante wollte der Regisseur allerdings nicht bieten. "Wir konzentrieren uns richtig auf die Figur David." Er habe schließlich die Stämme geeint, Israel gegründet. Ausgehend von Joseph Hechers Text (1905) ackerte Stückl die Bücher Samuel durch, "aber wie kriegt man da eine Gschichte zamm?". Er vertiefte sich in Richard Beer-Hofmann, der eine David-Trilogie geplant hatte, und in Reinhard Sorges Idee, der das blumenselige Kind David mitten in den Krieg gestellt hatte. David als Verheißung einer besseren Zukunft.

Auf der Basis dieser Texte entstand die neue Fassung von "König David" in elf Bildern. Das Vorspiel zeigt David auf dem Höhepunkt seiner Macht - und seiner Schuld. Er kann Bathseba heiraten, hat ihren Mann Uriah jedoch in den Tod gehetzt. Der Prophet Samuel mahnt den Herrscher und erinnert ihn an seinen göttlichen Auftrag. Die folgenden Szenen sind eine Rückschau: der Aufstieg Davids vom Hüterbub zum König. Anton Burkhart, 2000 Jesus-Darsteller und Merkur-Theaterpreisträger, spielt ihn. Christian Stückls Vater Peter gibt den König Saul.

Samuel wird von Martin Norz gestaltet, dem anderen "Jesus". "I bin mit dene ins Theater neigwachsen", strahlt Christian Stückl. Deswegen arbeitet er daheim mit solch einem Genuss: "I mach's total gern." Auch wenn er's in Oberammergau nicht auf Dauer aushalte - "eigentlich ghör i ganz her".

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