Dessous als Kopfschmuck

- Der dreiste Verkäufer vom Media-Markt, der vor allem unter der Gürtellinie seine Ideen an den Mann bringt. Der Golf GTI, nur für Männer, die als Jungs schon im Stehen pieseln konnten. Die akribisch skizzierten Berge, die einen neuen Mercedes natürlich nicht aufhalten können. Oder die Dessous, die Pferden als Kopfschmuck hervorragend stehen.

Wer kennt sie nicht, diese Werbeideen, die mit Witz, gesellschaftlichem Gespür und einem durchaus kunstvollen Potenzial unseren Alltag prägen? Marketing hat der Kunst zweierlei voraus: Es ist omnipräsent und absolut eingängig. Welche kreativen Köpfe sich die Geniestreiche dafür überlegen, zeigt die Ausstellung "Die Kunst der Kommunikation" in der Münchner Pinakothek der Moderne.Einmal jährlich prämiert der Art Directors Club Deutschland die besten Einfälle in verschiedenen Kategorien. Unter 7000 Einsendungen wählten 16 Fachjurys die 211 Auszeichnungen und 112 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen aus. Was nach viel bürokratischem Aufwand klingt, schaut auch ein bisschen so aus: Das Ganze ist zu brav auf Ausstellungskartons präsentiert, Spaß machen die Arbeiten erst in Nahsicht. Wenn etwa Fotos von Radarfallen für billige Abzüge werben, wenn krasse Holzdruck-Männchen im Hotel an ein besseren Benimm und an abgebissene Finger ohne Besteckbenutzung gemahnen.Neben Fotografie, Typografie, Print-Werbung, innovativen Kampagnen, Sounds und Filmen präsentiert sich der Bereich "Dialogmarketing" seriös: Ein Adventskalender mit Textfenstern für die Kinderhilfe ist ein Beispiel dafür. Ein anderes die Frau, die für Krebsvorsorge wirbt unter dem Motto "Schon weg?", bei dem nicht das aufgeklebte Werbeheftchen, sondern eine Brust fehlt. Am nachdenklichsten aber stimmt jene Strategie, bei der BMWs als Zeitschriften-Coverstars präsentiert werden und PR endgültig die Medien infiltriert hat.Bis 14. August, Tel. 089/ 23 80 53 60.

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