Deutliches Gefälle

- Es ist nicht recht ersichtlich, warum das Büchlein aus dem Jahr 1957 nun erstmals in deutscher Übersetzung erscheint. Louis Terkel ("Studs") ist in den USA bekannter als bei uns, über den Jazz wurde seitdem viel geforscht und geschrieben. Die hier verbreitete Sicht ist zwar nicht überholt, aber doch nur unter historischem Aspekt interessant.

<P class=MsoNormal>Terkel, ausgebildet als Jurist, hatte sich zu einem der erfolgreichsten Interviewer in den Vereinigten Staaten (1985 Pulitzer-Preis) entwickelt, besonders in einer Reihe eigener Rundfunksendungen, und kam dabei mit den herausragenden Jazzmusikern der Zeit in Berührung. Das lag ihm auch besonders am Herzen, sodass es nicht verwundert, dass er eine Zeitschriften-Serie für Jugendliche schrieb, aus der diese 13 Porträts hervorgegangen sind.</P><P class=MsoNormal>Sie weisen ein deutliches Gefälle auf: Bei Louis Armstrong, Benny Goodman oder Woody Herman war er ganz bei der Sache (auch aus eigener Erfahrung), auch bei Duke Ellington, der aber doch zu unzulänglich behandelt wird. Informatives erfährt man über Bessie Smith (obwohl ihr Blues eine Erweiterung zum eigentlichen Jazz-Thema darstellt) und über Billie Holiday, die auch auf dem Umschlagtitel zu sehen ist - in einer der skizzenhaften, kennzeichnenden Illustrationen von Robert Galster.</P><P class=MsoNormal>Die Kapitel über Bix Beiderbecke und Fats Waller hat Terkel fantasievoll ausgeschmückt; überhaupt spart er nicht an erfundenen Szenen und Dialogen, manchmal in vergilbtem Lesebuch-Deutsch, gelegentlich an der Grenze zum Groschenroman.</P><P class=MsoNormal>Die zur Erscheinungszeit gültige Abgrenzung liegt bei Dizzy Gillespie, Charlie Parker und John Coltrane: Hier rückt das Biografische in den Vordergrund, etwas äußerlich, aber sachlich geprägt. Seither erschlossene Quellen fehlen natürlich. Die Diskographie ist selbstverständlich überholt, aber dennoch interessant und nicht unnütz: Die Aufnahmen sind ja (zum Großteil) heute auf CDs zu haben. Den Jazz, die Jazz-Geschichte heutigen Jugendlichen näher zu bringen: das wäre schon wichtig und lohnend, aber dann auf einem anderen Weg. </P>Studs Terkel: "Giganten des Jazz". Aus dem Amerikanischen von Karl Heinz Siber. Verlag 2001, Frankfurt a.M., 234 Seiten; 14 Euro.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Spektakeln sollen andere
Verhandlungen beendet: Das Bregenzer Architektenbüro Cukrowicz Nachbaur erhält wohl endgültig den Zuschlag für das Münchner Konzerthaus. Am kommenden Mittwoch debattiert …
Wettbewerb fürs Münchner Konzerthaus: Spektakeln sollen andere
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
Nach dem Kollegah und Farid Bang einen Echo bekommen haben, stehen die beiden nun ohne Plattenfirma da. Das Musikunternehmen BMG stoppte die Zusammenarbeit mit den …
Plattenfirma stoppt Zusammenarbeit mit Kollegah und Farid Bang
 Der Bestseller
Tolle  Leihgaben - Im Bayerischen Nationalmuseum  ist erstmals eine umfassende  Schau zum Werk des  spätmittelalterlichen Münchner  Bildhauers Erasmus Grasser zu sehen
 Der Bestseller
Werden viele junge Erwachsene nun traurig sein? Die „Neon“ gibt‘s schon bald nicht mehr
Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr stellt nach 15 Jahren sein Magazin „Neon“ ein. Das Heft erscheint am 18. Juni zum letzten Mal.
Werden viele junge Erwachsene nun traurig sein? Die „Neon“ gibt‘s schon bald nicht mehr

Kommentare