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Bleibt das ihre einzige Elsa? Anna Netrebko bei ihrem Rollendebüt in der Dresdner Semperoper.  

„Deutsch ist zu schwer“

Kommt Netrebko doch nicht nach Bayreuth?

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München - Anna Netrebko überlegt, ob sie wirklich bei den Bayreuther Festspielen singen soll - weil sie Probleme mit der deutschen Sprache hat.

Dass sie ihr Debüt als Elsa nur mit einem Trick bestehen konnte, war ein offenes Geheimnis. Die Dresdner Semperoper platzierte für Anna Netrebko bei ihrer „Lohengrin“-Serie im vergangenen Mai fürs Publikum unsichtbare Teleprompter, von denen die Diva den Text ablesen konnte. Eine ungewöhnliche Maßnahme – normalerweise kümmern sich Souffleure um Texthänger. Und eben diese so vertrackten deutschen Verse sind nun angeblich daran schuld, dass die Netrebko überlegt, ob sie wirklich bei den Bayreuther Festspielen Anno 2018 im neuen „Lohengrin“ auftreten soll.

„Mein Gehirn ist vielleicht doch zu Russisch organisiert“, hieß es im Interview mit der „FAZ“. „Es ist dazu einfach nicht in der Lage. Französisch, Italienisch, das kann ich alles singen, aber deutsche Texte sind zu schwer für mich.“ Dass sie auch in Bayreuth die Elsa singen werde, bezeichnete die Netrebko daher als „Gossip“. Das Bizarre an diesem Gespräch: Ursprünglich existierten zwei Fassungen, eine für den Online-Auftritt der Zeitung, eine für die Printausgabe. In der Online-Version hörten sich die Netrebko-Antworten nach Absage an, in der gedruckten Zeitung nicht. Mittlerweile hat die "FAZ" die Fassungen angeglichen, nun lautet die Antwort der Sängerin: "Ich muss noch darüber nachdenken, es ist nichts unterschrieben."

Auch die Festspiele bestätigten, dass sie noch keine endgültige Absage der Diva registriert haben. Mittlerweile gibt es Gerüchte, dass nicht nur die Sprache, sondern auch das Geld ausschlaggebend sein könnte: Traditionell werden in Bayreuth viel niedrigere Gagen als an "normalen" Opernhäusern gezahlt.

Ursprünglich war die Neuinszenierung des Bayreuther „Lohengrin“ mit einer Starbesetzung geplant. Doch auch Roberto Alagna lässt weiterhin offen, ob er den Titelhelden übernimmt. Zudem gibt es einige, die Waltraud Meier die Ortrud nicht mehr zutrauen – es wäre das Comeback der Mezzosopranistin, die nach einem Streit mit Wolfgang Wagner dem Hügel den Rücken gekehrt hatte. Gesetzt ist dagegen der Mann im Graben: Christian Thielemann, Musikdirektor im Wagner-Heiligtum, wird das Schwanenritter-Drama dirigieren, Alvis Hermanis führt Regie.

An den vokalen Voraussetzungen kann es jedenfalls nicht liegen, dass Anna Netrebko Bayreuth abgesagt hat. Ihr Dresdner Rollendebüt wurde nicht nur vom Publikum, sondern auch von der Kritik gefeiert. Thielemann, der diese Serie dirigiert hatte, empfahl der Diva daraufhin Sieglinde und Elisabeth als weitere Wagner-Einsätze – was freilich voraussetzt, dass man sich umfassend mit der deutschen Sprache beschäftigen will.

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