Deutsche Befindlichkeiten

- Wenn uns mit der Sprache keine zwischenmenschliche Verständigung gelinge, sei es so, als ob man in einen Schlaf versinke, und, folgert Manfred Killer, mit dem Schlafen schlafe auch "Das Salz der Seele". Unter diesem Titel möchte der Münchner Theatermacher fünf Exemplare der verschlafenen deutschen Befindlichkeit vorführen.

Die Zuschauer stehen zwangsweise oben auf dem schmalen Balkon des i-camp, denn im Parkett wölbt sich imposant Lovorko Slamars von einem Streifenhosen-Jogger immer wieder mal umrundete Drahtkuppel. Die darunter schlummernden Luftballons - die deutschen Illusionen? - darf man später mit herabgeschleuderten Dartpfeilen zum Platzen bringen.

Außer dem Dauerläufer: noch ein Nachtportier, der über Schlaf und Schaflosigkeit sinniert, eine junge Frau, die, statt Partner, auf ihr Mini-TV fixiert ist und suizidvernarrt sich von der Kletterwand stürzen will. Ein knüppelschwingender Polizist und schließlich ein Ausländer arabischer Herkunft. Dieser allerdings als brutal Festgenommener ein Opfer der Angstträume in der deutschen Schlafkrankheit.

Ruth Geiersberger begleitet die Typen-Show als behände im Balkongestänge turnende und schön und klar plappernde - die unten sind nicht immer verständlich - kontaktkreierende Spielfee. Insgesamt eine zwischen Installation und postmodernem mosaikhaftem Theater schwebende, assoziative Veranstaltung, die den Zuschauer zu eigenem Fortdenken animieren will.

Noch vom 20. bis 24. 9., 20.30 Uhr, Tel. 089/ 65 00 00

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