Deutsche Musiker und der G8-Gipfel

Protest: - Berlin -­ Protest gehört in der deutschen Pop- und Rockszene anscheinend zum guten Ton. Viele Musiker, vom Indie-Rocker bis zum Mainstream-Popper, engagieren sich zum G8-Gipfel in Heiligendamm (6. bis 8. Juni) mit Konzerten gegen die Globalisierung oder für Afrika-Hilfe und den Klimaschutz.

Herbert Grönemeyer und U2-Sänger Bono, die am 7. Juni zusammen im Rostocker IGA-Park spielen, sind ebenso dabei wie die Toten Hosen, Wir sind Helden und eine ganze Reihe mittlerer und kleinerer Bands. Die Initiative "Move Against G8", ein Zusammenschluss globalisierungskritischer Organisationen, veranstaltet sogar ein komplettes alternatives Kulturprogramm.

Dazu gehört eine CD mit Protest-Songs (Protest-Sampler), Konzerte sowie Kunstaktionen und Kabarett. Vor dem Gipfel gibt es am 2. und 3. Juni Konzerte im Rostocker Stadthafen mit Musikern wie den Helden und Jan Delay. Auch in den Protestcamps bei Heiligendamm werden Bands spielen, etwa Kettcar aus Hamburg. Alle Beteiligten treten ohne Gage auf.

Fast 20 Bands und Künstler haben je einen Song zum Anfang Mai erschienenen Sampler beigesteuert: Blumfeld und Tocotronic, die Toten Hosen und auch der Hip-Hopper Afrob. Dabei "geht es zunächst einmal um finanzielle Unterstützung", erklärt Andreas Meurer, Bassist der Toten Hosen, die mit einer Live-Aufnahmen von "Pushed Again" vertreten sind. Die Erlöse aus dem Verkauf des Samplers sollen dem Kulturprogramm von "Move Against G8" zu Gute kommen. Niko Maurer von der Band Madsen sagt: "Musik war schon immer ein wirksames Mittel, um viele Menschen zu erreichen."

Im Kontext des G8-Gipfels, zu dem die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen und Russlands zusammenkommen, bewegen die beteiligten Künstler ganz unterschiedliche Themen. "Da wir aus dem Wendland kommen, sind wir mit dem Widerstand gegen die Atomindustrie groß geworden. Daher liegen uns natürlich die Themen Klima- und Umweltschutz sehr am Herzen", sagt Maurer von Madsen. Jan Delay, auf dem Sampler mit dem Song "Söhne Stammheims" vertreten, erklärt, was ihm wichtig ist: "Alles, was mit Afrika zusammenhängt: die Ausbeutung, der Schuldenerlass, Kondome."

Delay hat aber noch einen grundsätzlicheren Wunsch: "Ich will, dass wir wieder dahin kommen, dass Engagement etwas Cooles ist und nicht gleich mit Birkenstock verbunden wird." Gerade in Deutschland hätten es Pop- und Rockmusiker allerdings schwer, mit politischen Initiativen bei Fans und Kritikern anzukommen, sagt Meurer von den Toten Hosen. "Ich kann das nicht nachvollziehen. Warum sollte man sich nicht für eine Sache einsetzen, hinter der man hundertprozentig steht? In anderen Ländern wird so etwas ganz anders wahrgenommen." Im Übrigen seien die Hosen aber keine "Zeigefingerband". "Wir freuen uns natürlich über alle, die im Juni an die Ostsee reisen, um ihren Protest kundzutun. Wir werden aber sicherlich nicht gewerkschaftsmäßig dazu aufrufen."

"Auch wenn nur ein paar Menschen wegen uns kommen und sich vielleicht anschließend an den Protesten beteiligen, sind wir sehr glücklich", sagt Maurer von Madsen. Delay, der von einer Welt "ohne Grenzen und ohne Geld" träumt und eine wirkliche Protestkultur in Deutschland vermisst, hat ganz spezielle Vorstellungen davon, wie die Aktionen im Juni ablaufen könnten. "Alle wandern gemeinsam zum "Kempinski", machen sich da in den Suiten breit, und wenn man uns nicht lässt, dann müssen wir halt sehen, wie wir da rein kommen."

Außerdem wünscht sich der Hamburger Rapper, dass sich nicht nur Künstler, sondern auch mal Sportler zum Thema G8 äußern: "Lukas Podolski, wenn der was zum Gipfel sagen würde, oder Olli Kahn, das wäre der Hammer."

www.move-against-g8.de

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