"Deutsche Sprache sinnlich vermitteln" - Amtseinführung von Klaus-Dieter Lehmann

München - Es sind nicht ihre 74 Jahre und ihr gestriger 44. Hochzeitstag, die sie dazu bewegen, sich endlich zu trennen, und zwar von Amt und Würden. Jutta Limbach, seit 2002 Präsidentin des Goethe-Instituts, beschloss, das "schönste Ehrenamt der Bundesrepublik" niederzulegen, "weil die Demokratie Ämter auf Zeit vergibt" und es nun Zeit sei für ihren Nachfolger.

Eine Stabübergabe unter Präsidenten: Während Klaus-Dieter Lehmann, bisheriger Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, im Prunksaal des Münchner Alten Rathauses in sein neues Amt eingeführt wurde, wurden Limbach, der Ex-Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, noch einmal alle Ehren und Lobeshymnen für ihre kulturelle Präsidentschaft zuteil.

Sie habe, so Außenminister Frank-Walter Steinmeier, das Flaggschiff auswärtiger Kulturvermittlung nicht nur in finanziell und strukturell schwierigen Gewässern auf altem Kurs gehalten, sondern es sogar auf einen neuen Kurs gebracht und eine Trendwende herbeigeführt: "Goethe kann wieder atmen." Nicht nur konnten durch veränderte Haushaltsführung und Dezentralisierung im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro eingespart werden. Erstmals seit zehn Jahren erhielt das Goethe-Institut 2007 mit 13,5 Millionen Euro auch wieder mehr Mittel. Und so können,- nach vielen Schließungen der Vergangenheit, die noch auf sinkende Mittel und den Sparzwang vor Limbachs Amtszeit zurückgingen - demnächst zwei neue Goethe-Institute in Afrika eröffnet werden.

Trotz aller Einschränkungen und Reformen aber wurde unter Limbach mit der Eröffnung des Lesesaals in Pjöngjang "das erste westliche kulturelle Angebot in Nordkorea", wie Steinmeier betonte, und damit eine vorsichtige politische Öffnung geschaffen. Außerdem Präsenzen in Havanna und Shanghai sowie die Wiedereröffnung des Goethe-Instituts in Kabul. Auch die Wiederentdeckung der Sprachvermittlung zählte der Außenminister zu den Glanzpunkten ihrer Amtsjahre.

In ihrer klaren und heiteren Art bekannte sich Limbach dazu, dass sie all die Ehrungen amüsieren: "Welche Amtsinhaberin kann je von sich behaupten, alles geschafft zu haben", sagte sie. Selbstkritisch und nicht ohne Ironie räumte sie ein, dass der Verschleiß von insgesamt vier Generalsekretären, die oft eher Amtsverweser hätten sein müssen, eventuell an ihrer eigenen Amtsausübung gelegen habe. Andererseits, sagte sie, hätte sie es bei der Verabschiedung am liebsten wie ein Dirigent gemacht und beim Applaus auf all ihre Solisten und Mitstreiter gedeutet. "Ich bin die, in der sich das bündelte."

Derjenige, der diese Funktion nun innehat, konnte den Mechanismus der Bündelung und aller reformerischen Schwierigkeiten schon aus nächster Nähe erleben: Er war, neben Volker Doppelfeld, bisher Goethe-Vizepräsident. Lehmann kündigte an, das auch er Neuorganisation und Dezentralisierung vorantreiben müsse. Was die Inhalte betrifft, sei er geprägt durch die Gebrüder Humboldt, den Förderer von Bildung, Wissenschaft und Kunst, den Aufklärer und Humanisten Wilhelm, und durch den Kulturvermittler Alexander.

"Keine schlechten Voraussetzungen", meinte Lehmann. So will er neue Institute eröffnen, ohne damit das europäische Engagement zu schwächen. Er will außerdem die kulturelle Hilfestellung im Bereich der Migration stärken. Und - "das ist unsere beste Werbung in der Welt" - ein Alumniprogramm errichten. Auch, was Limbach mit ihren erfolgreichen Sprachwettbewerben à la "Das schönste ausgewanderte Wort" anstieß, ist ihm Leitlinie: "Deutsche Sprache sinnlicher vermitteln."

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