Das Deutsche Theater lebt – und wie

München - Es war, als seien die Freude und die Erleichterung ganz oben auf der Gästeliste gestanden. Nach fünf Jahren Exil am Stadtrand hat das Deutsche Theater am Wochenende seine Rückkehr ins sanierte Stammhaus an der Schwanthalerstraße gefeiert.

Die Sehnsucht muss groß gewesen sein – und das Warten, da waren sich alle einig, hat sich gelohnt: Mehr als 6000 Menschen kamen gestern zum Tag der offenen Tür des Deutschen Theaters an Münchens Schwanthalerstraße. Neugierig streiften sie durch den Musentempel, der länger und für mehr Geld als geplant renoviert worden war. Sie bestaunten das helle, freundliche Foyer, die moderne Bühnentechnik, den Silbersaal, ein wahres Schmuckkästchen – und der einzige Raum des ursprünglichen Theaters von 1896.

Der gestrige Tag war Abschluss und Höhepunkt (was wäre schließlich ein Theater ohne sein Publikum) des Eröffnungswochenendes. Am Samstag konnten sich die Münchner von der großartigen Akustik des renovierten Saals überzeugen – die Philharmoniker spielten Bernstein (die Ouvertüre zu „Candide“ sowie die Symphonischen Tänze aus der „West Side Story“) und Gershwin („Rhapsody in Blue“).

Bereits am Freitag wurde die Musicalbühne mit einer Gala vor geladenen Gästen wiedereröffnet: Carmen Bayer und Werner Steer, die Geschäftsführer des Hauses, begrüßten jeden Einzelnen persönlich auf dem roten Teppich. Bei den Festreden war schnell klar, dass die Pleiten, Pech und Pannen der Renovierung zumindest nachträglich etwas Gutes haben. Sie lieferten Pointen: für die so charmante wie schlagfertige Moderatorin Marion Rüb („Böse Zungen haben behauptet, bis die Sanierung fertig ist, können sich die Münchner nicht mehr erinnern, wo das Theater steht.“), für den Aufsichtsratsvorsitzenden Hep Monatzeder (der aus der Wiedereröffnungsrede des damaligen Oberbürgermeisters Erich Kiesl von 1982 zitierte – Sätze, die heuer noch passen) und für Christian Ude („Jetzt haben wir es wieder: den Palast des Lächelns, das Haus der leichten Muse – und die Heimstätte des Pfuschs am Bau.“). Zudem schoss Münchens scheidender OB genüsslich Pfeile Richtung Staatsregierung, indem er Monatzeder empfahl, er hätte es beim Deutschen Theater machen müssen, wie der Freistaat beim Konzertsaal: „Der wird seit zehn Jahren gefeiert, weil er nicht gebaut wird.“ Da es keinen Standort gebe, gebe es auch keine Nachbarschaftsbeschwerden. Und da die Finanzierung nicht klar sei, könne keiner meckern: „Dafür ham’s a Geld.“ Jubel im Publikum.

Deutsches Theater wiedereröffnet

Deutsches Theater wiedereröffnet

Dann geschah, was selbst für Ude ein Novum gewesen sein dürfte. Der OB war mit seiner pointierten Rede Einheizer für Franz Josef Strauß. Kabarettist Helmut Schleich lieferte in seiner Paraderolle als Landes-Übervater einen furiosen Rundumschlag, zu dem die Wiedereröffnung des Hauses nur Sprungbrett war: „Sie werden sich vielleicht wundern, mich heute auf einer ,Bühne der Stadt München‘ zu sehen“, erklärte FJS den Gästen. „Aber nachdem bei der letzten Wiedereröffnung vor 30 Jahren der Erich Kiesl, den ich damals als Oberbürgermeisterattrappe installiert hatte, die Eröffnungsrede derartig versaubeutelt hat, dass nach ihm der Loriot auftreten musste, um die Kastanien aus dem Feuer zu holen, habe ich mich entschlossen, diesmal lieber gleich selbst zu kommen.“

Wer’s verpasst hat: Wir dokumentieren Auszüge der Rede (siehe Kasten). Außerdem gestaltet Schleich am 5. März den Politischen Aschermittwoch. Wo? Was für eine Frage!

Michael Schleicher

Weitere Informationen:

Am 25. Januar startet die Ball-Saison im Deutschen Theater; am 5. März gastiert Helmut Schleich. Erste Musical-Premiere ist die „West Side Story“ am 20. März (Voraufführung: 19. März). Karten unter www.deutsches-theater.de und unter 089/ 55 23 44 44.

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