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Der Nachlass der Schauspielerin umfasst Briefe, Tagebücher, Verträge, Kalender, Fotos, Urkunden und Tonbänder.

Schauspielgeschichte

Privater Blick auf Marianne Hoppes Leben

München - Das Deutsche Theatermuseum in München hat den Nachlass der Bühnenkünstlerin Marianne Hoppe erworben.

Marianne Hoppe als Filmschauspielerin - etwa in Helmut Käutners "Romanze in Moll" aus dem Jahr 1943.

Auch für Museen gibt es größere und kleinere Unglücke. Diesmal ist jedoch gar keines eingetreten. Darüber freut sich Claudia Blank. „Das Schlimmste, was uns in solchen Angelegenheiten passieren kann, ist, dass die Erben den Nachlass eines Künstlers einem Auktionshaus übergeben“, sagt die Leiterin des Deutschen Theatermuseums in München. „Und dann verstreut er sich in alle Winde.“ Zahlreiche Regiebücher aus dem Besitz des Theatermachers Max Reinhardt etwa gerieten auf diese Weise in unterschiedliche Hände.

Im Fall der Schauspielerin Marianne Hoppe (1909–2002) ist das zum Glück anders. Ihr Sohn Benedikt Johann Percy überließ den künstlerischen Nachlass seiner Mutter nun dem Theatermuseum. Nicht kostenlos, selbstverständlich. Bei der Finanzierung der 30 Tagebücher, unzähligen Terminkalender, Verträge, Urkunden, Tonbänder und Manuskripte, der mehr als 1000 Briefe und 1500 Fotografien griffen der Freistaat Bayern, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Kulturstiftung der Länder dem Münchner Haus kräftig unter die Arme.

Wie teuer der Nachlass war, will keiner verraten. Allein das spricht schon Bände. Der Gewinn, der daraus erwächst, ist allerdings hoch. Viele Unterlagen können digitalisiert werden und wertvolle Quellen stehen bald der Film- und Theaterforschung zur Verfügung. In Kürze wird auch der Bibliotheks-Verbundkatalog eine erste Übersicht über den Inhalt des Nachlasses anbieten. Eine neue Ausstellung über die Schauspielerin plant das Museum allerdings nicht. Die jüngste fand erst vor einigen Jahren statt.

Marianne Hoppes Karriere währte etwa 70 Jahre. „In ihrem Nachlass ist fast das ganze 20. Jahrhundert abgebildet“, würdigt der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) die bedeutsame Rolle der Schauspielerin für die jüngere deutsche Theatergeschichte. Hoppe spielte zunächst in Berlin, Frankfurt und München, bevor sie 1935 ans Preußische Staatstheater in der Hauptstadt wechselte und dort unter dem Intendanten Gustaf Gründgens fest engagiert war. Gründgens war seit 1936 Hoppes Ehemann; beide lebten bisexuell. Ihre Heiratsurkunde mit dem nachträglichen Scheidungsvermerk aus dem Jahr 1950 ist im Nachlass enthalten.

Marianne Hoppes und Gustaf Gründgens' Heiratsurkunde von 1936 - mit dem Scheidungsvermerk von 1950.

Gerade über die Umtriebe an einem großen Theater während der Nazizeit und damit über einen Teil der NS-Kulturszene kann das riesige Konvolut nun tiefergehende Informationen liefern. Darüber hinaus gewährt die Korrespondenz zwischen Hoppe und Gründgens auch Einblicke in deren Ehe. Die Behauptung, dass die Liaison der beiden nur eine Schutzverbindung war, um Gründgens’ Homosexualität gegenüber den Nazis zu verschleiern, könnte durch die Lektüre der Briefe infrage gestellt, womöglich sogar widerlegt werden. Davon ist Birgit Pargner, stellvertretende Leiterin des Theatermuseums, überzeugt.

Dass Hoppe mit der Veröffentlichung all ihrer Unterlagen einverstanden gewesen wäre beziehungsweise damit gerechnet habe, bezweifelt Pargner allerdings. „Ich glaube nicht, dass zum Beispiel Dokumente, die ihre verzweifelte Gottsuche nach dem Krieg widerspiegeln, für die Allgemeinheit bestimmt waren.“ Hoppe spielte während der NS-Zeit in einigen Filmen, die propagandistische Züge trugen. Die Tatsache, dass sie Karriere machte, während andere Menschen ermordet wurden, machte ihr später zu schaffen. „Die Tagebücher offenbaren ein großes Schuldbewusstsein“, berichtet Pargner.

Nach dem Krieg startete Marianne Hoppe eine zweite Karriere am Theater. Sie spielte in Düsseldorf, Frankfurt, Wien und Berlin. Ausgerechnet mit dem rebellischen österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard verband sie, den ehemaligen Günstling der NS-Diktatur, später eine enge Freundschaft.

Birgit Pargner erzählt: „Er schätzte sie so sehr, weil sie auf der Bühne ein unglaubliches Stehvermögen hatte. Es war ihr egal, wie das Publikum reagierte.“ Die Rolle der Mutter im Drama „Am Ziel“ hatte der Dichter eigens für Hoppe verfasst. Ein Manuskript aus ihrem Nachlass, der nun im Theatermuseum zuhause ist, zeugt heute noch von ihrer intensiven Arbeit am Text.

Katrin Hildebrand

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