Dem Deutschen Museum droht das Ende - Kein Geld für Sanierung

München - Millionen von Besuchern hat der Technik-Tempel auf der Isar-Insel schon in seinen Bann gezogen. Entdecker- und Forschungsgeist können sich im Deutschen Museum in München austoben.

Vom Einbaum über ein begehbares Bergwerk bis zum Spacelab - das meistbesuchte Museum Deutschlands bringt Technik ganz nah. Doch die 105 Jahre alte Sammlung siecht dahin. Wenn nicht bald ein millionenschweres Sanierungsprogramm angeschoben wird, dann - so das Fazit der Unternehmensberatung McKinsey - droht dem weltberühmten Technikmuseum das schleichende Aus. Bis zu 400 Millionen Euro seien notwendig für eine über zehn bis 15 Jahre dauernde Generalüberholung.

Der 1925 errichtete trutzige Museumsbau auf einer Isar-Insel wurde nach den Bombardements im Zweiten Weltkrieg nur notdürftig wieder zusammengeflickt und seitdem nie wieder grundsaniert. Vom Keller bis zum Dach müsste das Museum renoviert werden. Grau sind die Fassaden, das Flair der 50er Jahre durchzieht die Säle. Teile des Baus seien bereits geschlossen, weil die Brandschutzauflagen nicht mehr erfüllt werden könnten, sagt Generaldirektor Wolfgang Heckl. Auch bei den beliebten Knopfdruckexperimenten macht sich der Verschleiß breit. Immer öfter hängt an ihnen das Schildchen "Außer Betrieb".

Noch ist das Deutsche Museum mit jährlich 1,4 Millionen Besuchern das meistbesuchte Museum Deutschlands. Doch Heckl fürchtet um die Attraktivität. Denn das Alter der Dauer-Ausstellungen liegt bei durchschnittlich knapp 19 Jahren. Aus Geldnot können sie häufig nicht auf den neuesten Stand gebracht werden. "Was zu Zeiten des Gründers Oskar von Miller die Dampfmaschinen und Eisenbahnen waren, ist heute die Nano-, Gen- oder Biotechnologie", sagt Heckl. Die Darstellung sei aber schwieriger geworden. "Vor einer Eisenbahn zu stehen und zu sagen: "Wie wunderbar", ist einfacher als einen Biochip anzuschauen und zu begreifen, was hat das jetzt mit dieser Gentechnik- und Stammzellendebatte zu tun."

Größtes Sorgenkind ist das Archiv in den verzweigten Kellern des Museums. Nicht nur, dass regelmäßig das Isar-Hochwasser die wertvollen Stücke vom germanischen Bohlenweg über Trockenhauben der 20er Jahre bis zu Heißwasserraketenschlitten und Transrapid-Modell bedroht. An den niedrigen Decken zieht sich ein Gewirr von Versorgungsleitungen, Rohren und Kabeln entlang, die ständig repariert werden müssen.

Die Mitarbeiter des Archivs sind einen Großteil ihrer Zeit damit beschäftigt, die staubigen Exponate von einer Ecke in die andere zu schieben. Fremdfirmen werkeln zwischen wertvollen Mikroskopen, Harfen und Sternen-Modellen. "Das Depot ist der schönste Ort im ganzen Museum", sagt Direktor Heckl dennoch und stöbert begeistert in den Regalen. Mit 60 000 Exponaten ist die Mehrzahl der 100 000 Stücke des Deutschen Museums eingelagert.

Der Leiter der Exponatverwaltung, Andreas Geiger, und seine Mitarbeiter hoffen auf den Bau eines neuen Zentralarchivs im Norden Münchens, in dem künftig alle bisher über acht Depots verteilten Exponate gelagert und zum Teil ausgestellt werden sollen. Komplett veraltet ist auch das Archivierungssystem, das sich zum Teil noch auf handgeschriebene Karteikarten stützt. Wirtschaftsingenieur Geiger arbeitet an der Einführung einer moderne Management-Software, wie sie in anderen Museen seit langem in Gebrauch ist. "Es ist eine Riesenbugwelle, die man abarbeiten muss", seufzt er.

Museumsdirektor Heckl will dem Verfall nicht tatenlos zuschauen. Der Physikprofessor hat eine Zukunftsinitiative für das Museum in Gang gesetzt. Für die Rettung fährt der rührige Direktor, selbst ein Sammler aus Leidenschaft, nach Berlin, um mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) über Finanzspritzen zu reden.

Heckl klappert auch die Chefs der großen Dax-Unternehmen ab, deren Gewinne oft auf Innovationen beruhen, die heute im Deutschen Museum zu sehen sind. Heckl wirbt ebenso beharrlich Geld ein wie einst Museumsgründer Oskar von Miller (1855-1934) Ausstellungsstücke. Für Heckl ist die Bedeutung des Deutschen Museums durchaus vergleichbar mit der für einen Milliardenbetrag sanierten Museumsinsel in Berlin. "Wenn das hier kein Leuchtturmprojekt ist, was dann?"

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