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Belle (Kitti Jenes) und das Biest (Sándor Barkóczis) kommen sich näher.

Deutsches Theater

Die Schöne und das Biest: Die Premieren-Kritik

München - Volltreffer! Mit dem Fantasy-Musical "Die Schöne und das Biest", Anfang der 90er-Jahre zunächst als Disney-Film berühmt geworden, braucht sich das Deutsche Theater um Auslastung nicht zu sorgen.

Die Geschichte von der schönen Belle und dem grässlichen Monster ist ein Abend für die ganze Familie – wie man bei der tosend bejubelten Premiere feststellte. Und wenn eine Truppe ihr Entertainment-Metier versteht, dann ist es das Budapester Operetten- und Musicaltheater.

Weil der Prinz kaltherzig war, hat die Fee ihn zum hässlichen Biest verwandelt. Hoch oben in seinem düsteren Schloss, herrlich verschnörkelt, als hätte Antoni Gaudi einen Designtipp gegeben, glüht nun wie ein Mahnmal die Rose der Fee. Wenn das Biest die Liebe einer Frau gewinnt, bevor das letzte Rosenblatt verwelkt, ist der Fluch aufgehoben. Nur ein mutiges Mädchen wie Belle, das sich auch nicht vom Äußeren abschrecken lässt, kann ihn erlösen. Alles klar: Es ist ein Märchen mit moralistischem Erziehungsanspruch. So ein Lehrstück wäre genau so grässlich wie das Monster. Was György Böhm und seiner inspirierten Kreativ-Crew hier großartig gelingt, ist pralle Unterhaltung zu inszenieren und dennoch den Zauber des Märchens zu erhalten. Wenn Kitti Jenes’ zarte und doch energische Belle und Sándor Barkóczis etwas gezähmtes Biest sich näher kommen, kann man leicht eine Träne verdrücken.

Insgesamt geht das auf Alan Menkens immer noch süffigen Melodien in flottem Spieltempo: von Belles kuscheligem Knusperdörfchen durch den finsteren Wald, wo hungrige Wölfe Belles Vater, den skurrilen Holzhackmaschinen-Erfinder, anfallen; weiter ins Schloss, zurück in die von Belle-Bewerber Gaston dominierte Dorfkneipe und wieder ins Schloss – immer mit Witz, Charme und Stimme! Da stehen durchgehend prachtvolle Sänger auf der Bühne. Und mehr noch: Bei den Budapestern hat man in jeder Sekunde das Glück, ein leidenschaftlich engagiertes Ensembletheater alten Stils zu erleben. Dass es jedem im Team Spaß macht, springt direkt über die Rampe.

Zum Küssen die zu Objekten verwandelten Schlossangestellten, die alle ihren Biest-Chef zu sanfteren Manieren und zur Liebe ermutigen: Herr Teelicht, elegant als dreiarmiger Leuchter mit französischen „accent“, Herr Unruh, die bedächtige Ticktack-Uhr; Frau Teekanne mit Söhnchen Tasse und Madame Kommode, die beim Öffnen ihrer Schubladen die Stimmbänder exerziert. Die Kostüme sind mit Humor entworfen. Und wer drin steckt kann sich bewegen. Große choreographische Anstrengungen wurden nicht gemacht. Kompliziert gestellte Tänze hätten hier nur gestört.Musikalisch wie optisch mischen sich schamlos gut US-Musical, Operette, Zirkus und Moulin Rouge. Die Texte von Howard Ashmann und Tim Rice (schön übersetzt von Lutz Riedel) sind bestens zu verstehen. Die Story, ausgeleuchtet mit geheimnisvoll nebligen Lichtkegeln und magischem Sternenhimmel, wirkt auch kein bisschen vestaubt. Was will man mehr? Hingehen!

Malve Gradinger

Tausendschön

Ein traditionelles Volksmärchen aus Frankreich liegt dem Disney-Musical und -Zeichentrickfilm zugrunde. La Belle et la Bête, so der Originaltitel von Die Schöne und das Biest wurde erstmals 1740 von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve veröffentlicht. Jeanne-Marie Leprince de Beaumont brachte 16 Jahre später die heute bekanntere Fassung für ein Kindermagazin heraus. In Deutschland bekam das Märchen um das Mädchen Belle, dessen Liebe die Bestie befreit, auch oft den Titel Tausendschön.

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