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Deutsches Theater München: Die Pläne des neuen Chefs

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Von: Michael Schleicher

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Thomas Linsmayer, Geschäftsführer des Deutschen Theaters München.
Deutsches Theater München: Thomas Linsmayer will, dass die Musicalbühne „vielseitiger“ wird. © Stephan Rumpf/Deutsches Theater München

Thomas Linsmayer ist der neue Geschäftsführer am Deutschen Theater in München. Zunächst sollte er die Musicalbühne nur als Interims-Chef führen. Nun hat er einen Vertrag über fünf Jahre erhalten.

Bis Ende August ist er noch Interims-Chef. Doch ist, wie berichtet, bereits klar, dass Thomas Linsmayer das Deutsche Theater in München auch in den nächsten fünf Jahren als Geschäftsführer leiten wird. Die Neubesetzung war nötig geworden, nachdem der Aufsichtsrat der Musicalbühne Werner Steer und Carmen Bayer, die seit 2007 an der Spitze des Hauses standen, heuer im Januar überraschend abberufen hatte. Wir sprachen mit Linsmayer über seinen neuen Job und seine Vorhaben mit und im Deutschen Theater.

Sie sind als Interims-Chef geholt worden und sollten das Haus bis Ende August 2022 leiten. Wann haben Sie entschieden, dass Sie sich für den Posten über fünf Jahre bewerben wollen?

Thomas Linsmayer: In den ersten Monaten hat sich abgezeichnet, dass ich mit meinen Fähigkeiten als Mediator die Wogen hier im Personal gut glätten konnte. Das wurde mir gespiegelt – und ich habe gemerkt, dass das Team und ich gut zusammenpassen.

Wie wurden Sie von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgenommen?

Thomas Linsmayer: Ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt – das ist wichtig. Denn unabhängig von allen programmatischen oder juristischen Entscheidungen an einem Theater muss es menschlich passen.

Das gute Betriebsklima kann aber nicht der einzige Punkt sein...

Thomas Linsmayer: Für mich war das der wichtigste Punkt. Der zweite Punkt war die Tätigkeit selbst: Abgesehen von den vielen Verwaltungsaufgaben an einem solchen Haus ist das Schöne an einer Intendanz, dass man selbst ein Programm gestalten kann. Das habe ich 20 Jahre lang in verschiedenen Einrichtungen getan. Obwohl ich nicht der Experte für Musical war, kenne ich also doch den Entstehungsprozess von Kultur sehr gut. Der dritte Punkt war, dass mich viele Menschen gebeten haben zu bleiben: nicht nur aus der Belegschaft, sondern auch aus der Stadtpolitik und von den vielen Partnern des Deutschen Theaters, die nach der Freistellung meiner Vorgänger sehr verunsichert waren.

Aber die Leitung des Deutschen Theaters war bislang nicht Teil Ihrer Karriereplanung?

Thomas Linsmayer: Nein, das nicht. Ich bin Jurist und Kunsthistoriker, komme also von der bildenden Kunst. Aber ich habe viel Kultur veranstaltet – im städtischen und privaten Rahmen –, auch im Ausland. Das ist mein Kerngeschäft. Das mache ich gerne und das kann ich gut.

Sie haben es angedeutet: Sie starten mit Vorschusslorbeeren, aus dem Haus, auch seitens der Stadt. Spüren Sie Druck?

Thomas Linsmayer: Ja, ein bisschen schon. Denn jetzt müssen die Pläne, die ich angekündigt habe, auch umgesetzt werden – und funktionieren. Es gibt ein paar grundsätzliche Dinge – etwa in der Art der Kommunikation, im Umgang mit Zahlen –, auf die man achten muss. Und wenn wir das tun, bin ich überzeugt, dass das Deutsche Theater sich auch unter meiner Geschäftsführung gut entwickeln wird.

In einer ersten Stellungnahme nach der Entscheidung des Aufsichtsrats haben Sie angekündigt, Tanz und Kleinkunst mehr Raum geben zu wollen. Deuten Sie damit eine inhaltliche Neuaufstellung an?

Thomas Linsmayer: Nein. Das Deutsche Theater wird das große Musical-Gastspielhaus im süddeutschen Raum bleiben. Dies wird sich nicht ändern, sondern höchstens ergänzt werden.

Wie wird das aussehen?

Thomas Linsmayer: Wir haben ja nicht nur den großen Saal, sondern auch den Silbersaal und den Barocksaal. Meine Idee ist, für diese beiden wunderschönen Räume ein neues Programm mit einem eigenen Konzept zu entwickeln. Hier geht es nicht um einen Paradigmenwechsel, sondern darum, das Theater noch breiter aufzustellen, noch vielseitiger zu machen.

Konkret heißt das?

Thomas Linsmayer: Für den Silbersaal planen wir die Reihe „Die Welt im Silbersaal“. Diese regelmäßige weltmusikalische Serie kuratiert Mulo Francel von der Band Quadro Nuevo. Zudem wollen wir die Welt des Tanzes hierherholen: Swing, Tango, Salsa, Volkstanz. Denn der Silbersaal ist als Tanzraum sehr geeignet. Den Barocksaal wollen wir zu einer Art Salon machen, wo den Leuten Kultur unmittelbarer begegnet: Klassische Musik, kleine Revuen, Vorträge – all das ganz nah und intim.

Bereits bekannt ist, dass Sie für die große Bühne das Musical „Zeppelin“ von Ralph Siegel aus Füssen holen wollen.

Thomas Linsmayer: Daran arbeiten wir derzeit. Es soll im Herbst 2023 München-Premiere feiern. Bereits unterschrieben sind die Verträge für die Neuproduktion der „West Side Story“ und von „Dirty Dancing“. Die Ballsaison findet 2023 endlich wieder statt – und zwischen den Ballabenden gibt es erstmals auch Programm. So kommt Ute Lemper zum Beispiel mit einer Marlene-Dietrich-Show; mit Monica Bellucci verhandeln wir gerade über einen Callas-Abend. Grundsätzlich möchte ich unser Angebot erweitern und den Menschen zeigen, dass es auch jenseits der Blockbuster spannende Musicals gibt, die Anspruch und Unterhaltung verknüpfen. Das Musical kann so viel!

Für wen machen Sie Ihren Spielplan? Wie sieht der ideale Zuschauer aus?

Thomas Linsmayer: Wir möchten alle Generationen ansprechen. Ich merke das in meiner eigenen Familie: Meine Tochter ist 16 – die Verwandtschaft über 80: Unser Programm sollte alle begeistern. Und wir dürfen nicht vergessen, dass unser Publikum nicht nur aus der Stadt kommt, sondern viele Menschen kommen aus der Region zu uns. Das freut mich sehr.

Wie soll das Deutsche Theater in fünf Jahren dastehen, wenn Ihr Vertrag endet?

Thomas Linsmayer: Hoffentlich wieder mit vollem Haus. Ich kann das nicht komplett beeinflussen, aber ich hoffe sehr, dass wir das Publikum, das heute in der gesamten Kulturbranche ausbleibt, in den nächsten Jahren wieder zurückgewinnen können. Das Deutsche Theater soll vielseitig dastehen mit vielen Programmlinien: Die Menschen sollen bei uns tanzen, Musik hören und die großen Shows genießen können.

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