Hep Monatzeder meldet neue Zusatzkosten von 6,5 Millionen Euro.

Deutsches Theater wird zum Millionengrab

München - Die Sanierung des Deutschen Theaters entwickelt sich zum Fass ohne Boden. Seit gestern ist klar, dass die Stadt mindestens zwölf Millionen Euro mehr zahlen muss, als ursprünglich veranschlagt. Die ersten Klagen laufen bereits.

Es ist noch nicht einmal eine Woche her, da genehmigte der Kulturausschuss des Stadtrats zähneknirschend zwei zusätzliche Millionen für den provisorischen Theaterbetrieb in Fröttmaning. Schon im Dezember hatten die Räte 3,5 Millionen bewilligt. Weil sich die Sanierung des Stammhauses an der Schwanthalerstraße bis April 2013 hinzieht, müssen die Musicals ein Jahr länger im Theaterzelt aufgeführt werden - was entsprechende Kosten verursacht.

Gestern nun die nächste Hiobsbotschaft: Nicht nur die Betriebs-GmbH verlangt von der Stadt zusätzliche Millionen. Auch die „Deutsches Theater Grund- und Hausbesitz GmbH“ bittet die Stadt um eine Zugabe. Sie ist für den Bau an der Schwanthalerstraße zuständig. Dort sind trotz umfangreicher Voruntersuchungen während der Bauarbeiten gleich eine ganze Latte von Problemen aufgetreten - von Pilzsporen bis zu Mängeln an der Statik (wir berichteten).

Erst gestern konnte der Aufsichtsrat die Kosten für die anfallenden Extra-Arbeiten beziffern: 2,3 Millionen Euro. Dazu verkündete der Aufsichtsratschef, Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne), auch noch 4,2 Millionen Euro Zusatzkosten aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung seit der Kalkulation im Jahr 2008. „Das ist natürlich überhaupt nicht schön“, kommentierte Monatzeder die Entwicklung. Insgesamt belaufen sich die Mehrkosten, die die beiden Tochterfirmen der Stadt verursachen, auf zwölf Millionen Euro. Ursprünglich hatte die Stadt 80 Millionen Euro für die Sanierung veranschlagt - und dabei bereits eine ordentliche Risikoreserve eingeplant. Die aber ist längst aufgebraucht.

Im Stadtrat herrscht große Verärgerung. Und der Aufsichtsrat, in dem auch etliche Politiker sitzen, hat erste Konsequenzen gezogen. Dem Vernehmen nach laufen bereits Klagen gegen einige Baufirmen. Demnächst will der Aufsichtsrat erörtern, ob auch die für den Bau Verantwortlichen mit juristischen Konsequenzen rechnen müssen. Hier besteht offenbar noch Diskussionsbedarf.

Für Hans Podiuk, der von der CSU in das Gremium entsandt wurde, ist der Fall klar: „Das Problem ist die Mentalität, mit der hier zu Werke gegangen wird: Die Stadt wird schon zahlen, koste es, was es wolle.“ Deshalb müsse man die Verantwortlichen auch zur Rechenschaft ziehen.

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl fürchtet dagegen, „dass wir nicht den einen Schuldigen finden werden, den wir öffentlich am Marienplatz köpfen können“. Ihn ärgert vor allem, dass unvorhergesehene Ereignisse zwar als Risikoreserve im Budget vorgesehen waren, aber nicht in den Zeitplan eingerechnet wurden. „Was dem Stadtrat vorgelegt wurde, war zu ambitioniert.“ Mit anderer Berechnung hätte zumindest die Böse Überraschung der zusätzlichen Betriebskosten für Fröttmaning vemieden werden können. Die Probleme am Bau sieht Reissl nicht ganz so dramatisch: „Bei einem Bauvorhaben mit dieser Komplexität brauchen Sie am Ende immer einen Anwalt.“

Für die FDP dagegen werden die schlimmsten Befürchtungen wahr. Die Liberalen standen den Investitionen schon immer skeptisch gegenüber, weil sich „so ein Haus eigentlich selbst tragen müsste“, wie Fraktionschef Michael Mattar betont. Höhere Kosten seien absehbar gewesen.

Immerhin: Aufsichtsratschef Monatzeder glaubt, dass mit dem neuerlichen Nachschlag das Thema Finanzierung endgültig abgehakt ist. „Davon gehe ich ganz schwer aus“, sagt der Bürgermeister.

Mike Schier

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