Deutschland im Angebot

- Schon perfekt unperfekt sitzender Anzug und Alukoffer lassen ahnen, was offenbar wird, wenn er zu reden beginnt _ der Mann ist Verkäufer. Im Angebot Deutschland samt seinem regierenden (und opponierenden) Personal. Von Kabarettist Arnulf Rating vor dem Publikum in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft nicht erst aufwendig nach Fehlern abgesucht, sondern gleich ganz verramscht. "Knapp daneben" hat der soeben gekürte Träger des Deutschen Kleinkunstpreises sein neues Programm genannt. Ein Titel, der (fast) keine Schlüsse auf die Qualität zulässt.

<P>Der Ex-"Tornado" macht noch immer mächtig Wind, unter der Oberfläche der Vertreterprosa lauert Subversives vom Feinsten. Bundesgebietsleiter Rating denkt sich die Regierung auch schon mal ganz weg (und es funktioniert!), bei einem (Pseudo-)Kapitalisten wie ihm darf die Ware Politik reklamiert werden, gelten die Gesetze des freien Marktes auch für die Macht. Grandios, wie der Spötter einen Stimmzettel an einem bunten Katalog misst und bei Ersterem die fehlenden Preise moniert _ sowie die Tatsache, dass Steuern hinterher ohne "Einzugsermächtigung" kassiert werden. "Democracy on demand" und "Kanzlerleasing" _ mit Rating lernt man rechnen.</P><P>Der größtmögliche Profit steht im Mittelpunkt, das gilt für erfolgversprechende Meinungen ebenso wie für wohlfeile Karrieren von George Bush bis Joschka Fischer. Ausgewogen die Mischung zwischen souveränem Spott und echter Wut, die sich auch mal in Sätzen wie "Der Trog bleibt der gleiche, nur die Schweine wechseln" entlädt. Ratings Eloquenz ist es zu verdanken, dass das Publikum sogar Ladenhüter wie Rudolf Scharping mitnimmt (auch wenn der Defätismus eines "Nur die Liebe zählt" seinen Reiz hat). Auch die Runde der ausgebrannten Achtundsechziger ist _ bei allem Witz im Detail _ eine etwas sperrige Nummer über ein altes Thema. Am besten ist der Mann eben doch, wenn er er selbst ist _ und dafür gibt's auch Applaus ohne Abzug.</P><P>Bis 2. 11. (Tel. 089/ 39 19 97)<BR></P>

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