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Cy Twombly: „Landscape“, Lexington (2007).

Deutschland-Premiere: Fotografien von Cy Twombly

München - Erstmals in Deutschland zu sehen: Das Münchner Museum Brandhorst zeigt 100 Fotografien von Cy Twombly. Ein Überblick über die neue Ausstellung:

Fotografie tut hier genau das nicht, für das sie einmal zuständig war: abbilden. Denn Cy Twombly fotografiert so, wie er auch Bilder und Skulpturen schafft: assoziativ, gegenständlich, aber völlig der greifbaren Realität enthoben. Im Münchner Museum Brandhorst ist nun die ganz eigene Welt des Amerikaners zu erspüren. Zusätzlich zu der fulminanten Dauerschau im Obergeschoss werden erstmals in Deutschland hundert Fotografien präsentiert.

Scheinbar vergilbt, in der Ovalform und ganz im Stil des 19. Jahrhunderts ist ein Bild Twomblys von 1944, das ihn selbst mit 16 Jahren an der Staffelei zeigt. Was dieser junge Mann bieten will? Es sind zunächst eigenwillige Ausschnitte von Stillleben (1951) und offenbar klassische Ansichten von antiken Tempelanlagen (1951) – die aber schon bald ins Unscharfe kippen. Dieser Entzug der Klarheit, des Gegenstandes, macht den neuen Blickwinkel aus. Es werden daraus Blumenserien, die Fülle und Verfall andeuten. Twombly fotografiert 2009 auch seinen eigenen, literarischen Rosenbilder-Zyklus (im Obergeschoss des Museums), um ihn erneut zu verfremden, zu verdichten und mitten ins Herz der Blüte und des Betrachters zu treffen. Daneben eine jener Skulpturen, die so schön wie grausam anmuten: satte Zellstoffrosen, verflossene Farben auf einem sargähnlichen Sockel.

Wer Twombly kennt, weiß, dass es immer wieder die großen Massaker der Menschheit waren, die ihn zu seinen gewaltigsten Arbeiten – etwa dem Lepanto-Zyklus (2001) – inspiriert haben. Und dass er geschichtliche Zusammenhänge so umfassend und vielschichtig wie kaum ein anderer bündelt. Es ist das Aufblühen und der Niedergang, der sich auch in scheinbar sanften, ansprechenden Kleinformaten wie der Limonen-Serie (2008) entspinnt.

Daneben werden fotografische Landschaftsausschnitte mit zwei gemalten Winterimpressionen (1977) kombiniert: Chiffren der Empfindsamkeit. Die Blüten der Engelstrompeten (1990) wiederum sind pure Lichterscheinungen – so wie die Skulptur dazu einer jener zartfarbigen Gips-Türme ist, die so oft Mahnmal-Charakter haben.

Die Fotografien zeigen auch den Kosmos Twomblys, aus dem er schöpft, sein Umfeld quasi als Inspiration und Ergebnis. Immer wieder ist das skulpturale Arbeiten Twomblys deutlich spürbar: bei den Innenräumen ebenso wie bei den Strukturen von Kohlblättern (1998).

Im letzten Raum des Museums geht es um das Atmosphärische: Doch was wie eine Reminiszenz an die Romantik erscheint, wird zur vagen Erinnerung, zur lichterfüllten Erscheinung und zur ständigen Aufforderung, Transformation wahrzunehmen – und Wahrnehmungen zu hinterfragen.

Von Freia Oliv

Bis 10. Juli, Di. - So. 10 - 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr; Katalog: 38 Euro; beim Münchner Schirmer/Mosel-Verlag ist er auch als Hardcover erschienen: „Cy Twombly. Photographs III 1951-2010“, 180 Seiten; 58 Euro.

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