"Deutschland ist zu teuer"

- In München wird's keinen "Boris Godunow" geben, an den Theatern Aachen und Münster sollen ganze Sparten eingespart werden, und in Berlin wackelt die Deutsche Oper, jagen sich seit Jahren die Rettungs- und Einsparungsmodelle der stets wechselnden Kultursenatoren. "In Zeiten leerer Kassen gerät die Kultur unter massiven Legitimationsdruck", konstatierte am Samstag im Nationaltheater Jürgen Seeger zu Beginn seiner BR-Diskussion "Kultur live". Sie beschloss die Deutsche Opernkonferenz, die unter Sir Peter Jonas' Leitung in München getagt hatte.

<P>In der Expertenrunde ging es um Bekenntnisse, um Rechenspiele und Nullrunden, um Tarifverträge und um den Vergleich mit dem Ausland. Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) bekannte: "Mein Ziel ist die Erhaltung der drei Opernhäuser." Dass Wiens Opernchef Ioan Hollender als neuer Berater wirklich zum Retter der Deutschen Oper Berlin werden könnte, bezweifelten Jonas und "Zeit"-Redakteur Claus Spahn heftig. Die Geschäftsführer vom Deutschen Bühnenverein, Rolf Bolwin, und von der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens, sehen in den Nullrunden letztlich keine Lösung: "Dann kommt der Einbruch eben später." Da war von einem Pakt für die Bühnen, von Rechtsformänderungen, von befristeten Solidarmaßnahmen die Rede und immer wieder vom engen Zusammenhang mit den Tarifen im öffentlichen Dienst. Spahns Verweis auf die erfolgreichen, nicht in starrem Tarifkorsett steckenden, freien Orchester konterte Jonas: "Diese Off-Szene kann nur leben, weil es die anderen Orchester gibt." </P><P>Sir Peter Jonas konstatierte als "Gastarbeiter": "Deutschland kann sich sich selbst nicht mehr leisten. Deutschland ist zu teuer." Dennoch plädierte er für den Erhalt der wichtigen, großen Kulturtradition. Im Hinblick auf weit höher subventionierte, weit weniger produzierende und spielende Opernhäuser im Ausland (Met, Scala, Ch|3atelet, Covent Garden) erinnerte Jonas an August Everdings Überzeugung: "Das profitabelste Theater ist das, das so oft spielt wie möglich und so viele Produktionen herausbringt wie möglich."</P>

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