Renault kollidiert mit Rettungsauto: Ein Mensch lebensgefährlich verletzt

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Deutschland-Bilder

- "Deutschlandromantik" - nein, mit nationaler Verherrlichung hat das nichts zu tun. Auch wenn ein paar heroische Malerei- und Architekturzitate, wenn Flagge und Volkslieder durch diese Ausstellung geistern, es geht hier um etwas ganz anderes. Es geht um Klischees und Realität, es geht um eine schwierige Identität. Zum Bild von Deutschland gehören Nationalsozialismus und geteiltes Land, Schuldgefühle und politischer sowie sozialer Wiederaufbau. Nicht einen dieser Baustein kann und will Franka Kaßner leugnen. Im Gegenteil: Sie formt damit ein bildhauerisches Selbstporträt, das in seiner ganzen Wucht in der lothringer 13 auf die Münchner Besucher einwirkt.

Mit dieser groß angelegten Installation widerlegt Kaßner vor allem ein Vorurteil gegenüber der Generation um die 30: Von Spaßgesellschaft und politischem Desinteresse kann hier nicht die Rede sein. Zwar gibt die Absolventin der Münchner Kunstakademie keine Statements zur aktuellen eigenen Position, wohl aber zum Verarbeiten von Geschichte. Versuchen wir das zuerst in der Karaoke-Bar: Megafon vor rotem Faltenstoff mit Silberadler - als Vorgabe dient das "Stempellied" über die Wertlosigkeit der Arbeitslosen. Politpropaganda, Hartz IV, Diktatorenruhm und soziales Elend werden auf einen populären Nenner gebracht. Weiter geht's dann ins "Freizeitheim eines Diktators": Ein alter Erb-Sessel, eine orthopädische Lederschiene für die geballte Macht- und auch Revoluzzerfaust, ein militärisch grüner Boden mit spießiger Sockelleiste verkörpern hier die Schizophrenie von Politik und Privatem.

"Wenn Mutti früh zur Arbeit geht": So schallt es wenige Meter weiter. Bombastische Architektur für Aufmärsche, Eiche und ein bösartig verändertes Kinderlied zeigen, wie in der DDR die Familie instrumentalisiert wurde. Unter diesem Prachtbau eines scheinbar glorreichen Staates windet sich auf dem Video die Mutter im Tarnanzug und stiehlt sich aus dem Heim davon. Kaßner schont weder die Vergangenheit der Großeltern noch der Eltern, sie stellt vielmehr kollektives Fehlverhalten und Schuld zur Disposition - in einem trügerisch perfekten Rahmen. Es ist eine Anklage an die politische Wirklichkeit, ein Sezieren der eigenen Lebensumstände und zugleich ein Aufruf für sensiblere Wahrnehmung. Das beste dabei: Statt müder Predigten überwiegt die Schaulust.

Bis 10.9., Tel. 089/ 44 86 961.

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