Deutschlands gute Gesellschaft

- Man musste sich einfach bei ihm porträtieren lassen. Das eigene Konterfei aus der Hand des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach bewies gewissermaßen, dass man zur guten Gesellschaft (des 19. Jahrhunderts) gehörte. Wo sich Kaiserliche - Deutschland, Österreich - und Königliche - Bayern bis Bulgarien - ein Bildnis kauften, waren auch andere Herrschaften goldrichtig. Dieser Porträt-Fabrik Lenbach rückt der Betrachter jetzt im Pavillon im Alten Botanischen Garten, München, näher, wenn er die großformatigen Öl- und Pastell-Skizzen aus des Meisters Hand studiert.

Die Frankonia Eurobau Max-Viertel GmbH, die derzeit die "Lenbach-Gärten" auf dem Karree zwischen Sophien- und Karlstraße errichtet (Architekten: Hilmer & Sattler, Otto und Albrecht Steidle), hat diese Arbeiten aus dem Lenbach-Familienbesitz erworben. Sie sollen später im Rocco-Forte-Hotel und im Max-Palais beheimatet sein.

Nun aber, so geballt, legen die an sich schon imponierenden Vorarbeiten zu den Gemälden mit all ihren Probier-Spuren Zeugnis ab vom "Handwerk" Lenbachs. Man kann den sehr flotten Strich bewundern, der dem Maler einen schnellen Zugriff auf das Gegenüber ermöglichte. Konstante war der braun getönte Hintergrund. Auch die Körperhaltung wird als Standes- und Charakterkürzel von Lenbach zügig hingeworfen. Denn wirklich wichtig ist ihm vor allem das Gesicht. Da unserem heutigen Seh-Geschmack eher das Rudimentäre entspricht, genießt man bei diesem Skizzen-Reigen besonders die knappe und doch so präzise Formulierung.

Wunderschön, wie zum Beispiel Edvard Griegs Antlitz liebevoll und ehrfürchtig modelliert wird, wie Lenbach dabei das Eisgrau seiner Augen in Stirn und Haar aufnimmt; wie er Ernst Ritter von Possart in Mimen-Pose setzt; oder wie er das Elegische der Züge von Prinzessin Elvira von Bayern schon ganz früh im Arbeitsprozess festlegt.

Bis 12. Februar, Di.-Sa. 13-19 Uhr, So. 11-17 Uhr, Sophienstraße 7a.

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