Diamantene Technik: Hervorragende Gäste im "Schwanensee"

München - Die hohe russische Schule - 2007 konnten wir ja darin so richtig schwelgen bei den kurz aufeinander folgenden üppigen Gastspielen des St. Petersburger Mariinsky- und des Moskauer Bolschoi-Balletts.

 Immerhin: Zum Abschluss der diesjährigen Ballettfestwoche krönten zwei hier noch nicht gesehene Erste Solisten aus der Bolschoi-Schatzkammer den von Michael Schmidtsdorff ab und an zaristisch bombastisch dirigierten Münchner "Schwanensee" ( Ray Barra nach Petipa): Svetlana Lunkina und Dmitry Gudanov tobte am Schluss der Applaus entgegen. (Nationaltheater).

Gäste sind ein teurer Luxus, aber auch sehr wichtig: zum Ansporn und Vergleich. Was haben die Russen, was das multinational zusammengesetzte und ganz unterschiedlich ausgebildete Münchner Ensemble nicht hat? Eine souverän diamantene Technik, die auch (von klein auf!) die Tanz-Allüre umgreift. Gadunow ist nun keineswegs der hochgewachsene Prinzen-Typ. Und doch ist atemberaubend, wie elegant, wie selbstverständlich mühelos seine feinziselierte Gestalt über die Bühne fliegt, ob im schlichten Lauf, in der Sprung-Manege oder in den geschliffen konturierten, aber nur wie ganz nebenbei hingewehten Pirouetten.

Kein Ansetzen, kein Zwirbeln, kein Ausstellen. Alle Bewegung strebt auf den Ausdruck seines vornehm dramatischen Siegfrieds hin. Gleiches Loblied, was die technisch-tänzerische Performance der ebenfalls zierlich modellierten Svetlana Lunkina betrifft. Es stimmt alles, von der stählernen Spitze bis zu der ihren Schwanen-Armen angepassten Blickrichtung.

Ein Gefühl hat man darin nicht entdecken können. Gastspiel-Lampenfieber oder doch Veranlagung? Ihre Odette blieb maskenhaft, ihre "nett" lächelnde Odile wird kaum einen Mann erotisch entflammen. Das Staatsensemble hatte für dieses Finale noch einmal glänzend alle Kräfte gesammelt.

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