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Ein Oper-für-alle-Konzert

Diana Damrau: Diva mit Draht zum Wettergott

München - Zum Glück war heuer eine Diva dabei – mit offenbar heißem Draht zum Kollegen Wettergott. Denn beim Oper-für-alle-Konzert am Samstag auf dem Marstallplatz blieb es trocken. Diana Damrau sei Dank.

Die charmante Sängerin, die sich mit fünf Strauss-Liedern in die Herzen der Zuhörer sang, verriet auch gleich ihren Trick: „Ich sang doch schon gestern bei der Generalprobe ‚Und morgen wird die Sonne wieder scheinen‘…“

Jubilar Richard Strauss gab den Ton an fürs Open-Air-Ereignis, zu dem Staatsopernintendant Nikolaus Bachler rund 8000 Musikbegeisterte begrüßte. Ihnen allen versprach BMW-Chef Peter Mey, dass „Oper für alle“ auch in den kommenden Jahren gesponsert wird. Ein kräftiger Applaus war ihm sicher. Auch wenn die Picknick-Körbe, der unsicheren Wetterlage geschuldet, heuer magerer ausfielen, dass musikalische Füllhorn, das das Bayerische Staatsorchester und die Jungmusiker von Attacca ausschütteten, war üppig bestückt.

Dirigent Philippe Jordan sprang im T-Shirt ans Dirigentenpult und animierte das Jugendorchester zu einer dunkel-glühenden Ouvertüre von „La forza del destino“ – mit feinen Solostellen. Diesen Verdi wollten sich unsere italienische Platz-Nachbarin und ihr Mann nicht entgehen lassen. Doch auch die lustigen Streiche von Richard Strauss’ „Till Eulenspiegel“ bannten die beiden. Keckes Holz war da zu hören, zudem ein tadelloses Horn-Solo und viele instrumentale Details, die Jordan (jetzt im Frack) mit dem Strauss-erprobten Staatsorchester zum Leuchten brachte. Diana Damraus hohe Kunst der Lied-Gestaltung fesselte hernach das entspannt lauschende Publikum ebenso. Mit Schmelz und Silberglanz band sie ein duftiges Sträußlein, ließ ihrem Schalk in der „Muttertändelei“ freien Lauf und beschwor im extrem langsamen „Morgen“ das gemeinsame Glück. Auch wenn sich im offenen Platz der Text oft verflüchtigte, der Klang trug, und das Staatsorchester sekundierte mit viel Delikatesse. Doch vor dem „Heldenleben“ empfahlen sich die Nachbarn: „Wir waren schon in ‚Guillaume Tell‘ und sehen nächste Woche den ‚Orfeo‘, aber jetzt locken die Fußball-Helden auf der Leinwand.“ So setzte denn auch kurz vor des Helden Vollendung ein WM bedingter, sanfter Aderlass ein.

Orchester und Dirigent hielten dagegen: Mit dramatischer, blech- und schlagwerkgesättigter Wucht ebenso wie mit der Zartheit der Solo-Violine (David Schultheiß). Trotz leider insgesamt arg basslastigem Verstärkerklang begeisterte Philippe Jordans mitreißende, dabei hörbar differenzierte Strauss-Interpretation die Zuhörer – darunter sogar ein paar Philharmoniker.

Gabriele Luster

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