Die Bilder von Leif Trenkler im Turmzimmer des Buchheim Museums.
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Die Bilder von Leif Trenkler fügen sich perfekt ins Turmzimmer des Museums ein.

Schönheit als Köder: Leif Trenklers fantastische Bilder im Buchheim Museum Bernried

Diese Ausstellung macht glücklich! Leif Trenkler im Buchheim Museum

  • Katja Kraft
    vonKatja Kraft
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Wer sich etwas Gutes tun will, der fährt ins Buchheim Museum nach Bernried. Es zeigt derzeit die farbenprächtigen Bilder von Leif Trenkler. Und die sind vor allem: schön. Und machen glücklich.

Wer sich etwas Gutes tun will, der fährt nach Bernried. Der Soundtrack für die Ausstellung, die einen im dortigen Buchheim Museum erwartet, weht durch die geöffnete Terrassentür. Klänge wie im Klischee: Blätterrauschen, Vogelgezwitscher, Kinderlachen, Hundebellen und – ist das eine Schiffshupe? Vom Starnberger See flattert die Melange der sommerlichen Töne ins Turmzimmer hinauf, und für diesen Moment fühlt sich alles wohlig schön an. Wie in einem Bild von Leif Trenkler.

Dass der 1960 in Wiesbaden geborene Künstler ausgerechnet hier, im Museum der Phantasie, mit seiner ersten musealen Einzelausstellung gewürdigt wird, ist ein großes Glück. Denn wer genau hinschaut, sieht, dass Trenkler uns in jedem seiner fotorealistisch anmutenden Werke klammheimlich zur Fantasiearbeit verführt. Von Weitem betrachtet, spielen Mädchen und Buben am Fluss, spaziert ein Paar durch den Wald, rennt deren Hund im Laub. Doch mit jedem Schritt hin zu den Arbeiten wird die Illusion sichtbarer: Trenkler deutet seine Figuren nur an, das sind keine fein ausgefertigten Gesichter, die Andeutung reicht – unser Hirn macht den Rest.

Leif Trenkler in der Schau.

Das funktioniert auch deshalb so gut, weil uns der Künstler Bilder aus unserer Lebenswelt vor Augen führt. Es sind Szenen wie aus einem Hollywoodfilm, erinnern an David Hockney, Pop Art, Bauhaus, Le Corbusier. Und auf fast allen schimmert: Wasser. Da ist er in seinem Element. Obwohl es ihn das Leben hätte kosten können: Als Kind wäre Leif Trenkler einmal fast in einem See ertrunken. Eine Nahtoderfahrung, die sich in jedem seiner gemalten Gewässer widerspiegelt. Und mögen sie auch noch so seicht wirken, die Oberflächen noch so verführerisch azurblau und glatt – eine Doppeldeutigkeit schwingt immer mit. Was lauert in der Tiefe? Was passiert, wenn die Kinder hineinspringen? Können sie überhaupt schwimmen?

Trenkler, der malende Revoluzzer, hat sich abgewandt von einem Kunstverständnis, nach dem der Anblick eines Werkes immer wehtun muss. Auch er geht dahin, wo es schmerzt. Aber stößt die Betrachter nicht ab mit provokanter Hässlichkeit. Seine Werke sind Einladungen fürs Auge, denen man gleich verfällt. Schönheit als Köder.

Im „Hotel International“ (2020) kann man beim Betrachten dieses Bilds gedanklich einchecken. Immer wieder spielt Wasser in Leif Trenklers Werken eine Rolle.

Dabei wählt Trenkler immer den Holzweg. Öl auf Birke. Das muss man einfach live sehen. Und darf es hier ausgiebig – auch dies: ein kribbeliges Glück nach all den Monaten. Denn erst in der nahen Betrachtung der Kunstwerke erkennt man die feine Maserung, die durch die Farben schimmert. Die Fragilität des Augenblicks, auch hier wird sie sichtbar.

Das Sofa kommt noch. Museumschef Daniel J. Schreiber möchte ein übergroßes mitten in den Ausstellungsraum im Turmzimmer stellen. Da sitzt man dann und fühlt sich wie im lichtdurchfluteten Wohnzimmer eines Kunstsammlers. An der Längsseite hängt „Der Besuch der Schönen Dame“ (2020). Eine Frau, ein Pool, eine knatschpinke Luftmatratze. Doch  – typisch Trenkler – die blonde Protagonistin dieser Szenerie lässt sich nicht dolce-vita-mäßig auf dem Wasser treiben – der Künstler bricht das oft gesehene, erwartbare Bild. Gedankenversunken hängt sie mit dem Oberkörper auf der Matratze, ihren Kopf in das Plastik vergraben. Man riecht förmlich den nassen Kunststoff, spürt den Wind, der über ihren nackten Rücken fährt. Er rauscht auch durch die Palmenblätter am Rand des Beckens. Kein perfekter windstiller Tag also. Es ist, wie in allen seinen Arbeiten, eine Momentaufnahme aus einer Geschichte, die wir selbst weiterspinnen dürfen.

Die Leif-Trenkler-Ausstellung beruht auf dem herrlichen Bildband „Beauty“

Große Gesichter finden wir nirgends. Stehen die Figuren im Vordergrund, wenden sie ihre Blicke ab – oder Trenkler setzt den Bildausschnitt so, dass der Kopf gar nicht zu sehen ist. Diese mitunter krassen Fokussierungen verstärken den kinematografischen Effekt, wirken wie von einer Kamera herangezoomt. So gelingt das fantastische Spiel mit Abstraktion und Wirklichkeit. Bei großflächigen Gesichtern würde es sofort ersichtlich. Indem Trenkler sie ausspart, lockt er uns nah heran. Wir gehen ihm gern ins Netz.

Bis 10. Oktober im Buchheim Museum, Am Hirschgarten 1, Bernried. Der Katalog, der zur Schau inspirierte, ist im Hirmer Verlag erschienen und gibt‘s hier beim lokalen Händler ums Eck zu kaufen

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