Neues Erdbeben in Mexiko

Neues Erdbeben in Mexiko

Diese Mischung aus Diva und Kumpel

München - Zwischen Münchens Deutschem Theater und dem Wagner-Festspielhaus in Bayreuth ist Margot Werner mit schöner Regelmäßigkeit als Zuschauerin anzutreffen. Dass sie noch selbst auf einer Bühne auftritt, kommt dagegen gar nicht mehr vor. Was schade ist. Die Münchner Theater haben es sowieso versäumt, diese Frau für sich zu reklamieren. Sie wäre eine Wucht gewesen.

Dennoch, ans Aufhören denkt sie ganz bestimmt nicht. Und Pläne hat sie natürlich auch noch, selbst wenn es um sie etwas ruhiger geworden ist: Margot Werner, die morgen 70 Jahre alt wird, ist auch nach einer 50 Jahre dauernden Karriere noch voller Tatendrang. Ja, sagt sie im Gespräch, sie plane noch eine Tournee. Und natürlich sollte das im nächsten Jahr sein, denn: "Soll ich etwa damit warten, bis ich 80 bin?"

Kraft für neue Projekte hat die Sängerin mit der starken, tiefen Stimme allemal: "Dass ich so gut erhalten bin, verdanke ich meiner Tanzkarriere, die hat meinen Rücken gestählt." Die Entertainerin Werner, deren flammend rote Haare fast zum Markenzeichen wurden, hat noch immer einen ziemlich gut gefüllten Terminkalender. Aber dennoch hätte die groß gewachsene Sängerin und Tänzerin durchaus Lust, vielleicht noch einmal etwas ganz anderes zu machen. "Warum nicht Kultusministerin wie einst die (Melina) Mercouri, dann könnt ich vielleicht ein paar Leute rausschmeißen, die mir nicht gefallen", sagt sie lachend.

Margot Werner kann an ihrem 70. auf eine außergewöhnliche Karriere zurückblicken. 1937 in der Mozartstadt Salzburg geboren, erhält sie bereits mit drei Jahren Ballettunterricht. Mit 17 wird sie an die Bayerische Staatsoper als Elevin engagiert, wo sie 1957 ihre Karriere als Vortänzerin beginnt, ehe sie 1959 für mehr als ein Jahrzehnt die Primaballerina des weltberühmten Ensembles und dabei Partnerin und Freundin des unvergessenen Heinz Bosl wird. Ihre für eine Tänzerin "überragende" Körpergröße von 1,77 Meter ist dabei kein Hindernis. Ihr Schauspiel-Talent beweist die Tochter eines Exportkaufmanns und einer Pianistin erstmals 1974 als Jenny in der "Dreigroschenoper" im Münchner Residenztheater.

Den Grundstein für die neue Karriere legt sie 1972. Im Wiener Konzerthaus singt sie, begleitet von Peter Kreuder. 1973 präsentiert Sammy Drechsel (Werner: "Mein großer Lehrmeister") sie in München mit der ersten "One-Woman-Show". Dies ist der Durchbruch. Ein Jahr später erscheint ihre erste LP ("Und für jeden kommt der Tag"). 1975 folgt die erste Fernseh-Show, für die sie mit der "Goldenen Europa" ausgezeichnet wird.

Am Fernsehen findet Margot Werner Gefallen: Gleich im Jahr darauf dreht sie eine neue Sendung. Außerdem folgen zahlreiche Auftritte in Shows wie "Klimbim", "Dalli-Dalli" oder "Am laufenden Band". Auch in Roland Klicks Simmel-Verfilmung "Lieb Vaterland, magst ruhig sein" oder in der Krimi-Reihe "Tatort" taucht das Multitalent auf. Ihr freches Bekenntnis "So ein Mann" wird zum Schlager und macht sie endgültig populär.

Bis heute zeichnet Margot Werner große Wandlungsfähigkeit aus. Mit "Movie Classics" feierte sie 1994 Erfolge in der Münchner Philharmonie und der Stuttgarter Liederhalle. Lieder von Marlene Dietrich, Zarah Leander oder Melina Mercouri gehören ebenso zu ihrem Programm wie Chansons von Edith Piaf. Deren "Je ne regrette rien" wurde zum Lebensmotto für die Diva.

"Ich hab' im Leben nichts bereut" - vor allem nicht die Ehe mit Jochen Litt, ihrem zweiten Mann, mit dem sie seit fast 30 Jahren verheiratet ist: "Er ist eigentlich mein Alles. Der einzige wirkliche Pol in meinem Leben, der mir Geborgenheit gibt." Und auch nicht bereut, dass sie vor zwei Jahren ihr Vermögen einsetzte bei dem Versuch, das Hotel ihrer Schwiegereltern vor dem Ruin zu retten, und dabei selbst ein finanzielles Desaster erlebte.

Das ist es, was Glanz und Gloria der Margot Werner ausmachen: diese Mischung aus Diva und Kumpel, die Eleganz und der Mut zum schlechten Geschmack, die Spontaneität und die eiserne Disziplin und Professionalität. Kein Grund zum Hohn für die Vertreter der sogenannten Hochkultur, den sie gerne süffisant lächelnd jenen gegenüber an den Tag legen, die so vielseitige Alleskönner sind. Aber bei passender Gelegenheit hat Margot Werner es allen gezeigt: Es war eine Mammut-Veranstaltung zum 100. Geburtstag von Bertolt Brecht im Residenztheater. Auftritt großer Stars, die alle von gut bis schlecht sich an dem Meister abarbeiteten. Dann betrat sie die Bühne - und schon ihr erster Ton des Brecht/Weill-Songs verwies die geschätzten Schauspiel-Kollegen auf ihre Plätze.

Ihren 70. Geburtstag wird Margot Werner, die in München lebt, besinnlich und ohne großen Rummel verbringen. In ihrer Geburtsstadt Salzburg. "Am Morgen geht's wie jedes Jahr zum Grab der Eltern, und später gehen wir mit meinen alten Freundinnen gut essen."

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