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Fröhliches Himmelfahrtskommando (v.li.): Nadine Zeintl als Truly, Marinus Hohmann als Jeremy, Peter Lesiak als Caractacus und Amelie Spielmann als Jemima.

Dieser Abend hebt ab

München - Das Musical „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ im Prinzregententheater, inszeniert von Josef E. Köpplinger - lesen Sie hier die Premierenkritik:

Gut, dass die Fastenzeit vorbei ist – dieses Musical ist purer Zucker. Vom Bühnenbild über die Kostüme bis hin zu den frechen, sich tief in den Ohrmuscheln festhakenden Liedern. Und dann sind da ja noch die vielen Kinderdarsteller, die das rosarote Knallbonbon zusätzlich in Sahne tunken. Was Regisseur Josef E. Köpplinger und sein Gärtnerplatz-Team da in den vergangenen Monaten auf die Beine gestellt haben, ist traumhaft-pfiffig-schön. Und wird den besonderen Erwartungen vollauf gerecht. Denn es war nicht nur eine München-Premiere, die am Mittwochabend im ausverkauften Prinzregententheater bejubelt wurde, sondern zugleich die kontinentale Erstaufführung. Als erste deutschsprachige Bühne erhielt das Gärtnerplatztheater die Aufführungsrechte des Musical-Erfolgs, der nach dem Fantasyfilm von 1968 bereits in London und auf dem New Yorker Broadway Erfolge feierte.

Die kleinen Stars des Abends: Amelie Spielmann und Marinus Hohmann. Von Aufregung keine Spur. Die beiden Zehnjährigen, die in einem Kindercasting die Hauptrollen ergattert hatten (wir berichteten), spielen mit einer Leichtigkeit auf dieser großen Bühne, als wär’s ein Klacks. In Matrosenanzug und blauem Kleidchen hüpfen, steppen und tanzen sie, singen aus voller Kehle und sehen dabei tatsächlich aus wie Geschwister.

Papa Caractacus Potts, der mehr oder minder erfolgreiche Erfinder, ist mit Peter Lesiak ebenfalls bestens getroffen. Wenn er den Kindern mit warmer Stimme ein Gute-Nacht-Lied singt und die beiden sich dazu unter eine Decke kuscheln, dann huscht ein seliges Lächeln über die Gesichter der verzückten Zuschauer. Überhaupt gehen die an diesem Premierenabend von Anfang bis Ende mit. Wie könnte es auch anders sein bei dieser Inszenierung, die neben viel Witz und Slapstick-Einlagen auch ruhige und richtig spannende Momente bietet. Für eine kleine Zuschauerin in der dritten Reihe gar zu spannend: Als der hervorragende Markus Meyer mit seinen dünnen Spinnenbeinen in Stöckelschuhen über die Bühne schreitet und die Nase in die Höhe reckt, weil er als „Kinderfänger“ die Geschwister Potts schon von Weitem riechen kann, drückt sie ihren Kopf ängstlich in den Arm ihrer Mama.

Die Geschwister können allerdings nicht fliehen, sind sie doch mit ihrem Vater an diesen gefährlichen Ort gekommen, um Opa Potts zu retten, den der böse Baron Bomburst hat entführen lassen. Erwin Windegger spielt den dickbäuchigen, schrägen Baron mit groteskem Witz. Kongenial Sigrid Hauser als dralle bulgarische Baronin. Mit vollem Körpereinsatz und hohen Gesangsqualitäten ist sie die lebendig gewordene böse Stiefmutter, wie wir sie aus unzähligen animierten Disneyfilmen kennen.

Ein ebenso spritzig-witziges Duo: David Jakobs und Hannes Muik als Spione der Baronin. Sie sollen das fliegende und schwimmende Auto „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ klauen, das sich der exaltierte Baron zum Geburtstag wünscht. Ihnen dabei zuzuschauen, wie sie auf immer neue Weise versuchen, an das Auto heranzukommen, ist herrlich komisch. Das alles erleben wir in einer Bühnenwelt, die an die Sehgewohnheiten heutiger Zuschauer angepasst ist. Bühnenbildner Judith Leikauf und Karl Fehringer zeigen auf großer Leinwand im Hintergrund Einspielungen von englischen Landschaften, Autorennen oder der tosenden See. Auf diese Weise wird man noch mehr ins Geschehen hineingezogen.

Spektakulär ist „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ selbst, das Auto von Erfinder Potts. Spätestens wenn es abhebt und über die Bühne fliegt, staunen auch die erwachsenen Zuschauer wie die Kinder. Ebenso in der Süßwarenfabrik von Lord Scumptious (Alexander Franzen): Da ist es bunt wie im Film „Charlie und die Schokoladenfabrik“. In pinkfarbenen Kostümen tanzen die Mitarbeiter mit zuckersüßen Leckereien in der Hand zu kandierter, von Michael Brandstätter dirigierter Musik.

Choreografin Ricarda Regina Ludigkeit setzt auf beschwingte Tänze à la „Mary Poppins“, fröhlich und mit ironischem Witz, der auch den Text durchzieht. Eine gelungene Mischung aus Kindermusical und gewitzter Elternunterhaltung. Am Ende gibt’s, das sei mit Caractacus Potts Worten versprochen, „ein richtiges Happy End“. Furioses Finale, Standing Ovations.

Katja Kraft

Weitere Vorstellungen

bis 18. Mai;

Telefon 089/ 2185-1960.

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