Dieser Anzug sitzt perfekt

Bruno Jonas als Unternehmensberater: - Eine Premiere ohne Panne? Bei Bruno Jonas? Natürlich nicht! Der Abend im Lustspielhaus ist schon etwa zwanzig Minuten alt, als der Kabarettist plötzlich innehält und gesteht: "Ich hab' was vergessen!" Nicht nur ein Wort, einen Satz oder eine Pointe, sondern - einen Teil der Geschichte. Macht nichts, denn die frappierende Souveränität, mit der Jonas diese Situation meistert, der Witz, mit dem er ("Das passt auch hierher") einfach jetzt erzählt, was er eigentlich viel früher hätte erzählen wollen, macht dieses Programm erst recht zum Juwel.

"Bis hierher und weiter" heißt der allerneueste Streich des Wahl-Münchners. An "weiter" ist allerdings für Jonas‘ Alter ego, einen gewissen Hubert Unwirsch, momentan nicht zu denken. Der Unternehmensberater sitzt am Flughafen fest - und nutzt das Warten auf seinen Flieger, um seinem Publikum bestürzende Einblicke in seine Welt zu gewähren. Es ist eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt und in der der Mensch als Individuum nichts zählt, eine Welt, in der die Opfer hemmungslosen Profitstrebens mit einem wohlfeilen "Das wird schon wieder" abgefunden werden. Auch von ihm, dem Herrn Unwirsch, leitender Mitarbeiter der "Munich Consulting Company".

Denn Bruno Jonas ist zum Glück nicht der Typ, der Botschaften gegen die Macht des Geldes frontal vermittelt, der anklagt oder gar jammert. Stattdessen wird er einer von denen, die er lächerlich machen will, übernimmt er subtil deren Ideologie. Und dieser (Business-)Anzug sitzt perfekt, er steht ihm gut, möchte man fast sagen. Jonas alias Unwirsch hat den Jargon drauf zwischen "Lobbying" und "Private Equity", er erläutert die Strategie, doch besser selbst zu fressen, als gefressen zu werden, mit so viel Charme, dass man der Zunft, die er im Visier hat, gar nicht mehr böse sein will.

Die Maßlosigkeit der Topmanager - dem Mann auf der Bühne, der perfekt so spielt, als gehörte er selbst dazu, nötigt sie ein mit diabolischem Grinsen hervorgestoßenes "Reschpekt!" ab. Ist denn nicht Neid "nur eine negative Form der Anerkennung"? Und dient denn nicht beispielsweise Korruption auch dazu, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten? Jonas hat sich bestens eingearbeitet in die Materie, er erläutert die Mechanismen des Kapitalismus, als hätte er Wirtschaftswissenschaften studiert. So weit geht die Perfidie, dass sich Jonas‘ sympathischer "Consulter" über "richtig gemeine" Kabarettisten mokiert, die zur Unterhaltung der Bosse eigens engagiert werden und ihnen die Meinung sagen.

Doch ganz so positiv darf das alles nicht ausgehen für die "Bösen" - wo bleibt sonst die Moral, die Katharsis? Und so gerät auch Hubert Unwirsch, obwohl er doch am Boden ausharren muss, statt zu fliegen, in heftige Turbulenzen - mit welchem Ende, soll hier nicht verraten werden. Brillant, wie Jonas - zwischen Exkursionen in die Welt der Philosophie, der Theologie, des Fernsehens und eines Möbelhauses - immer wieder zu seiner Figur zurückkehrt, in ihr die Paranoia aufsteigen, sie zum Opfer eines Systems werden lässt, in dem keiner dem anderen trauen darf. "Die beste Maske ist immer noch das eigene Gesicht" - nur eine von vielen klugen Sentenzen in diesem Programm. "Bis hierher und weiter" - mit und ohne Pannen eine höchst profitable Angelegenheit.

Nächste Vorstellungen:

Bis 26. Mai dienstags bis samstags, um 20.30 Uhr,

Telefon: 089/34 49 74.

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