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Dieter Dorn wird 75.

Dieter Dorn: Ein Münchner Theaterwunder wird 75

München - Shakespeare, Lessing, Goethe: Dieter Dorn hat den Klassikern der Theatergeschichte seinen Stempel aufgedrückt und sich einen Namen als Theaterzauberer und Ästhet gemacht. Jetzt wird er 75 und im kommenden Jahr gibt Dorn die Intendanz des Bayerischen Staatsschauspiels ab. 

„Es ist nie zu spät für einen gesunden Rücken.“ Nein, diesen Satz ruft Dieter Dorn nicht denjenigen zu, die jedem Trend hinterherinszenieren und dafür wohlfeil gelobt werden. Dieser Satz ist vielmehr der Slogan eines offenbar erfolgreichen Wirbelsäulenheilers gleichen Namens aus dem Allgäu. Doch haben die beiden, der Rückenspezialist aus Lautrach und der Menschenspezialist aus München, eines gemeinsam: ein gerades, unverbogenes Rückgrat, kurz gesagt, Haltung. An diesem Sonntag, am 31. Oktober, feiert der Regisseur und Intendant Dieter Dorn seinen 75. Geburtstag. Verbunden mit einem weiteren Jubiläum: Es ist dies die zehnte und letzte Saison, in der er als Chef die Geschicke des Bayerischen Staatsschauspiels lenkt.

Es begann 1976. Da kam der gebürtige Leipziger vom Berliner Schillertheater an die Münchner Kammerspiele – als Oberspielleiter. Mit ihm die Schauspieler, die sehr rasch den Ruhm der städtischen Bühne ausmachten: Cornelia Froboess, Gisela Stein, Helmut Griem, Manfred Zapatka, Claus Eberth, Edgar Selge, Franziska Walser, dazu die Großen Doris Schade, Rolf Boysen, Thomas Holtzmann, Heinz Bennent. Und es blühten jene auf, die bereits hier spielten: darunter Peter Lühr, Romuald Pekny, Lambert Hamel. Und im Laufe der ersten Jahre die damaligen Jungakteure Sunnyi Melles, Sibylle Canonica, Axel Milberg, Michael von Au, Stefan Hunstein, Tobias Moretti, Jens Harzer, Anna Schudt. Ein Ensembletheater, wie es kein zweites gab und gibt. Eine, wie Dorn sie einmal nannte, „gemischte Raubtiergruppe“. Dazu von außen kommend: Jörg Hube und Dieter Hildebrandt, Gisela Schneeberger, Gerhard Polt und die Biermösl Blosn. T

Mit Lessings „Minna von Barnhelm“ (Froboess, Griem) startete Dorn 1976 seine grandiose Erfolgsserie mit Ausstatter Jürgen Rose. Seit 1983 war Dieter Dorn auch ihr Intendant – sie lassen sich rückblickend vielleicht als die Zeit des Wollens und Werdens benennen. Eine Meisterschaft, die sich von Inszenierung zu Inszenierung steigerte. Und die doch allmählich von dem Überfluss fast jugendlicher Euphorie und Schaffenslust in das Stadium gesetzter Reife überging.

Insofern war – von heute aus gesehen – der durch die Stadt München rüde ausgelöste Wechsel Dorns von den Kammerspielen ans Bayerische Staatsschauspiel nicht ganz unlogisch. Auf zu neuen, größeren Ufern, wenn es auch nur die auf der anderen Straßenseite waren. Zehn Jahre Residenztheater. Die Zeit der Vollendung. Der Abschluss einer Ära. Ja, auch hier gelang Dieter Dorn Großes, Prägendes. „Ich bin ohne meine Schauspieler nichts“, hat er einmal gesagt. Das erklärt, warum er nicht wie seine jüngeren Regie-Kollegen von Theater zu Theater tingelt. Wenn Dorn „fremdgeht“, und das geschieht höchst selten, tut er dies mit der Oper: Bayreuth, Salzburg, New York. Oder einfach nur nach nebenan. Das Münchner Nationaltheater verdankt ihm zwei seiner schönsten Produktionen: „Così fan tutte“ und „Le nozze di Figaro“.

Sabine Dultz

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