Dieter Dorn öffnet den Marstall wieder

- Alle sparen - wir auch. Und wir eröffnen ein Theater! Dieter Dorn, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels, hat nicht nur seinen Vertrag bis 2009 verlängert, wartet nicht nur mit einem Spitzenergebnis auf, jongliert nicht nur mit dem Einspar-Diktat von 940 000 Euro, sondern schaut auch noch ganz frohgemut in die Zukunft. Und weiß, dass der Erfolg ebenfalls "meinen Freunden im Leitungsteam, dem Ensemble und den Mitarbeitern" zu verdanken ist. Deswegen habe er "Spaß, das Schiff weiter zu fahren".

<P>Gefahr für die Zukunft<BR><BR>Ein weiterer Grund für die Vertragsverlängerung sei gerade die Knauserei: "Die Mannschaft will sich schützend vors Haus stellen." Was ein neuer Intendant kaum könnte. Und der dritte Grund sei die Stabilisierung des Ensembles. Regisseur Elmar Goerden geht 2005. Wenn Dorn 2006 auch ausscheiden würde, wären die Folgen nicht absehbar.</P><P>Der Haupt-Möglichmacher für den Marstall heißt Jürgen Höfer, der neue Künstlerische Direktor, der vom Kammerspiele-Um-/Neubau über Jutierhalle oder Haus der Kunst schon so ziemlich alles an Münchner Bühnen bespielbar gemacht hat. Der Marstall wird nach knapp drei Jahren am 18. Februar mit "Das kalte Kind" von Marius von Mayenburg eröffnet. Dorn spricht von "Instandbesetzung"; Höfer: "Der Marstall ist ein Raum, der kulturell genutzt werden kann und muss." Dem ganz schön zügigen Realisierungs-Tempo des Staatsschauspiels und seinen massiven Eigenleistungen passten sich alle zuständigen Ämter (und sogar die Kammerspiele mit Material) hilfreich an. </P><P>Das Cuvillié´stheater ist wegen Sicherheitsmängeln, so Höfer, auf absehbare Zeit nicht mehr zu bespielen; die Restaurierung sei derzeit nicht finanzierbar (Michael Mihatsch, Kunst-Ministerium). Im Haus der Kunst will man "die Leine etwas lockerer lassen", erklärt Dorn, und auf mehr Zusammenarbeit mit Chris Dercon setzen. Chefdramaturg Hans-Joachim Ruckhäberle kündigt ein Projekt im Rahmen der Ausstellung "Utopia Station II" an. Die Marstall-Eröffnung sei "keine Trotzreaktion; wir verfolgen damit eine konzeptuelle und kulturpolitische Linie".</P><P>Ein weiterer Ermöglicher ist der Geschäftsführende Direktor Holger von Berg. Er hat nicht nur einen ausgeglichen Haushalt erreicht (25,5 Millionen Euro), sondern bis jetzt 600 000 Euro zurückgelegt (wir berichteten). Die schluckt nun der Sparmoloch. Es bleibt ein Defizit von 340 000 Euro. Von Berg prognostiziert für die Zukunft, wenn es mit den Einschnitten so weitergeht, dass "das Theater im Haus der Kunst geschlossen, die Anzahl der Produktionen oder der Vorstellungen eingeschränkt werden muss".<BR><BR></P>

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