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Dieter Hildebrandt (1927–2013).

Gedenken zum ersten Todestag

"Dieter ist einfach da"

München - In der Lach- und Schießgesellschaft wurde ein Fernsehporträt zum ersten Todestag des Münchner Kabarettisten Dieter Hildebrandt präsentiert.

Es wird viel gelacht an diesem Vormittag in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Dieter Hildebrandt, dessen hier gedacht wird, ist seit fast einem Jahr tot, doch via Bildschirm, der am Montag ausnahmsweise die Bühne des kleinen Theaters ziert, ist er sofort wieder ganz präsent. „Dieter ist einfach da, er hat uns hier zusammengebracht“, sagt Rüdiger Daniel. Er hat aus Anlass des ersten Todestages des Kabarettisten für die ARD ein Porträt geschaffen, dessen Titel „Weiterlachen!“ Hildebrandts Witwe Renate Küster sowie die anwesenden Freunde und Weggefährten gleich wörtlich nehmen. Die Sendung läuft am Mittwoch um 23.30 Uhr im Ersten.

Daniel kann sich des Segens des bedeutendsten Kabarettisten der Bundesrepublik für das Werk auch postum sicher sein, Hildebrandt selbst habe die Ausschnitte aussuchen helfen, erzählt der Autor. Nach dem Tod des Wahl-Münchners – er starb am 20. November 2013 im Alter von 86 Jahren – seien nur noch einige Szenen und Statements eingefügt worden. Nicht nur den Spötter, sondern auch den Komödianten, das „Gesamtkunstwerk“ Dieter Hildebrandt habe er in Erinnerung rufen wollen, so Daniel.

Und so zeigen viele Szenen auch die schauspielerischen Seiten Hildebrandts, etwa in Helmut Dietls „Kir Royal“, wo er den Fotografen Herbert „Herbie“ Fried spielte, eine Rolle mit nicht allzu viel Text. „Wenn man nur ein blödes Gesicht macht zu dem, was ein anderer sagt, so ist das unter Umständen komischer als das Gesagte“, kommentiert er verschmitzt. Dass Hildebrandt von einer großen Liebe zum Blödsinn beseelt war, dass er Kalauer liebte, bescheinigen ihm auch Kollegen wie Karikaturist Dieter Hanitzsch oder sein Agent Axel Hegmann, davon zeugen legendäre Nonsensnummern wie die „Ballade für Brotmaschine und Hundepfeife“ aus den Sechzigerjahren, als der Kabarettist Mitglied des legendären ersten Ensembles der Lach- und Schießgesellschaft war.

Doch Hildebrandt, die „Rampensau“ (Renate Küster), die privat „eigentlich schüchtern“ war, sah sich vor allem als kritischen Beobachter politischer und gesellschaftlicher (Fehl-)Entwicklungen in Deutschland. Er habe stets gewarnt vor der „Verblödung“ der Menschen, so Agent Hegmann. Sein Mittel dagegen: „Weiter denken, weiter lesen, weiter widersprechen, weiter lachen.“ Das Fernsehen – öffentlich-rechtlich wie privat – war dem langjährigen „Scheibenwischer“-Macher suspekt, eine Szene mit der Auszeichnung „Telestar“ lässt ahnen, wie hart der Kampf mit den ARD-Verantwortlichen manchmal war. Am Ende sendete der Junggebliebene im Internet, beim „Störsender TV“.

Roter Faden des Porträts ist eine Lesung wenige Monate vor seinem Tod, die Hildebrandt vital und voller Lust am Spiel mit der Sprache zeigen, das er virtuos beherrschte. Dass ihm Menschen, die seine Enkel hätten sein können, applaudierten, habe ihn fasziniert, gesteht Georg Schramm. Arrogant, abgehoben sei er dennoch nie gewesen. Im „Scheibenwischer“ habe er vielen Nachwuchskabarettisten zum Durchbruch verholfen. Ein rührendes, ungewöhnliches Kompliment kommt vom langjährigen „Scheibenwischer“-Redakteur Uwe Römhild. Dieter Hildebrandt kennengelernt zu haben – allein dafür habe sich die Flucht aus der DDR gelohnt.

Von Rudolf Ogiermann

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