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Kabarettist Dieter Nuhr.

„Mit Islamisten gibt’s nichts zu diskutieren“

Dieter Nuhr: Jetzt springen ihm Kollegen bei

München - Bruno Jonas und Andreas Rebers springen ihrem Kollegen Dieter Nuhr bei: Was die Anzeige wegen Religionsbeschimpfung betrifft, haben beide Kabarettisten eine eindeutige Meinung.

In Dieter Nuhrs Programmen – wie aktuell „Nuhr ein Traum“ – geht’s selten um einzelne Politiker, um „schwarz“ oder „rot“, links oder rechts. Eher steht die allgemeine (Stimmungs-)Lage im Fokus, die Welt als „Irrenhaus“, Hysterien aller Art, der ganz normale Wahnsinn. Auch der Islamismus kommt regelmäßig vor und Selbstmordattentate. Gern zitiert der Kabarettist aus dem Koran („,Tötet die Ungläubigen, wo immer Ihr sie trefft.‘ – das steht da wirklich drin!“) und sinniert über das Verhältnis der Geschlechter in der arabischen Welt: „Die Frau ist frei – vor allem frei davon, eigene Entscheidungen zu treffen.“

Dieter Nuhr: "Ein Teil der Muslime wähnt sich ja immer im Dschihad"

Ein Muslim aus Osnabrück fühlte sich von Nuhrs Worten so beleidigt, dass er jetzt Anzeige erstattete, wegen „Beschimpfung von Religionsgemeinschaften“ (wir berichteten). Erhat Toka, Chef einer Kampfsportschule in der niedersächsischen Stadt, wirft Nuhr vor, unter dem Deckmantel der Satire „blöde, dumme Hetze gegen den Islam“ zu betreiben. Bei einem Auftritt am vergangenen Samstag demonstrierten etwa 25 Menschen vor der Osnabrücker Stadthalle gegen den Kabarettisten.

Nuhr wies den Vorwurf, er sei ein „Hassprediger“ und beleidige den Islam, zurück. „Natürlich beschimpfe ich keine Glaubensgemeinschaft“, sagte er der „Welt“ in einem Interview: „Es geht um den Umgang mit Andersdenkenden.“ Er bleibe bei seiner Auffassung, dass der Terror in der arabischen Welt mit dem Islam zu tun habe. Die Handlungsanweisung des Koran, nach der Ungläubige zu töten seien, sei nicht außer Kraft gesetzt. „Ein Teil der Muslime wähnt sich ja immer im Dschihad, jedenfalls so lange, wie es noch Ungläubige gibt.“ Die absolute Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime sei jedoch friedlich, weil sie Religion und Gesellschaft trennten: „Und mir tun die auch sehr leid, weil sie mit den Fanatikern in einen Topf geworfen werden.“

Bruno Jonas: Muslime sind gerne mal beleidigt

Er habe „keinerlei Ehrgeiz, als Speerspitze des Antiislamismus dazustehen“, so Nuhr weiter, zumal er auch Beifall von der falschen Seite bekomme, was ihm „sehr unangenehm“ sei. Bürgerrechte und Freiheit seien eigentlich kein rechtes, sondern ein „dezidiert linkes Thema“. Der Kabarettist übte in dem „Welt“-Interview auch Kritik an seiner Zunft. „Kabarettisten versuchen gerne, das Klischee vom aufgeklärten Menschen zu erfüllen. Das ist aber in vielen Fällen nur ein Geschäftsmodell.“ Viele drückten sich um alles herum, was nicht in ihr Weltbild passe. Er habe jedoch „kein Verständnis dafür, dass die bei uns lange erkämpfte Meinungsfreiheit nicht mehr ernst genommen wird, wenn sich Islamisten dagegenstemmen“.

Am Montag sprangen Nuhr allerdings zwei Kollegen bei. „Kann schon sein, dass ein gläubiger Muslim sich von solchen islamkritischen Worten beleidigt fühlt“, so der Münchner Kabarettist Bruno Jonas (61) im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei jedoch stets subjektiv – und die Meinungsfreiheit in Deutschland ein hohes Gut. Er beobachte, dass Muslime, im Gegensatz beispielsweise zu Juden und Buddhisten, „gerne einmal beleidigt sind, wenn man sich über ihren Glauben lustig macht. Humor und Fanatismus scheinen einander auszuschließen.“ Für ihn sei Religion Privatsache, „wenn mir allerdings andere ihre Religion aufzwingen wollen, wird’s problematisch“.

Andreas Rebers: "Mit Islamisten gibt’s nichts zu diskutieren"

Für Andreas Rebers ist Anzeigeerstatter Toka nichts anderes als „ein religiöser Faschist“. In Deutschland treibe eine Minderheit die Mehrheit vor sich her, schäumte der 56-Jährige: „Schon im Karikaturenstreit vor einigen Jahren ist man leider eingeknickt.“ Er sei beunruhigt über die Gleichgültigkeit der deutschen Gesellschaft gegenüber radikalen Gruppen: „In kaum einem Land der Welt machen die Menschen so sehr von ihrem Recht auf Nichtwissen und Nichtwissenwollen Gebrauch wie bei uns.“ Toleranz sei in diesem Fall jedoch gänzlich unangebracht: „Mit Islamisten gibt’s nichts zu diskutieren.“

Was die Anzeige gegen Dieter Nuhr betrifft, riet Bruno Jonas, gegen den selbst vor vielen Jahren wegen Religionsbeschimpfung ermittelt wurde, zur Gelassenheit: „Da braucht der Dieter keine Angst zu haben, die Staatsanwaltschaft wird das Verfahren sicher einstellen.“

Rudolf Ogiermann

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