Die Dimension des einfachen Lebens

- Über 60 meist ländliche Orte in ganz Europa verfügen über eigene Museen und Sammlungen zur Erinnerung an ihre einstige Existenz als Künstlerkolonie. Zur Bewahrung dieses Kulturerbes wurde daher 1994 in Brüssel die Vereinigung EuroArt gegründet.

Dieses Zusammenschlusses bediente sich die Dachauer Gemäldegalerie jetzt zum 1200-jährigen Jubiläum ihrer Stadt mit einer Ausstellung von Beiträgen aus 28 Künstlerorten in neun europäischen Staaten: als erneutes Bekenntnis zu der hier einst blühenden Gemeinschaft von Malern, Bildhauern und Grafikern. Über dem Geschoss mit der ständigen Präsenz dieser diversen Dachauer Schulen sind nun in den beiden neuen hellen Sälen jeweils drei Beiträge aus den 28 Orten zu sehen, die dieser Einladung folgten.

Die überraschenden Gemeinsamkeiten in den meist landschaftlichen Motiven und eigentümlichen Farbstimmungen resultieren aus dem gemeinsamen Ansatz. In der Nachfolge der Schule von Barbizon sollte das Naheliegende, Ausschnitthafte und Unscheinbare in den Blick genommen werden. Es sollte fortan weit mehr gelten als der Panorama-Blick in die Ferne und aufs Ganze.

Damit verband sich das wachsende Bedürfnis von Künstlern, den Großstädten zu entfliehen. In diesem Sinne malte Harold Tronson Bergen auf der Ostseeinsel Hiddensee "Zwei Frauen am Strand", Felix Krause eine Küstenlandschaft als "Ein freudiger Tag" und Elisabeth Büchsel in Neuendorf die Reihe der niedrigen weißen Häuser mit ihren tief gezogenen Dächern.

Beim Fischerdorf Katwigk an Zee genügte 1905 dem Maler Walter Castle Keith vollauf ein großes Boot mit roten und gelben Segeln. In Grè`z-sur-Loing beim Wald von Fontainebleau verharrt Birge Harrisons "Mädchen in der Wiese" gar schlicht und still. Erich Venzmers Katen neben den vom Wind gekrümmten Bäumen im mecklenburgischen Schwaan und so manche sommerliche Flachlandschaft könnten auch bei Dachau entstanden sein.

Die Dimension der Beispiele des einfachen Lebens reicht von der normannischen Küste bis nach Nidden auf der Kurischen Nehrung. Dass Murnau nur mit drei Gemälden Gabriele Münters aus Privatbesitz vertreten ist, von denen zwei vor ihrer Murnauer Zeit entstanden (1905), wäre vermeidbar gewesen.

Bis 18. September, Mi. bis Fr. 11-17 Uhr, samstags und sonntags 13-17 Uhr. Tel. 08131 / 56 75 16

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