Direkt aus einem Samurai-Training

- Einzelne lang gezogene Trompetenstöße. In Mini-Klanginseln mischt sich Klavier ein. Später werden die beiden Instrumente sich improvisatorisch umspielen, mit verschärften Tönen und beschleunigtem Tempo heftigst bekämpfen - genau so wie auf dem schummerigen Tanzteppich das Trio Masako Noguchi, Theodora Popova und Simone Sandroni selbst, Co-Leiter (mit Lenka Flory) der tschechisch-italienischen Gruppe Dé´jà` Donné´. Ihre Uraufführung "There where we were" beschloss die Münchner Tanzwerkstatt Europa.

<P>"Beim Suchen dort ankommen, wo man eigentlich schon von Beginn an war", dies Florys philosophisch überfrachtetes Konzept _ generell symptomatisch für den aktuellen freien Tanz.</P><P>Konkret zu sehen: ein Breitwand-Hänger deckt ein gutes Stück der extremen Muffathallen-Höhe ab, so dass der Blick nach unten auf den schummerigen Tanzteppich gelenkt wird, wo zuerst die beiden Frauen, dann auch jede im Clinch mit Sandroni gleichsam aufgestaute Energie aus sich herausschleudern: Wie Peitschenschnüre sausen Arme aus den Schultern, fliegt der Kopf herum, zuckt, krümmt sich die Körpermitte wie unter harten Karate-Hieben, keucht die Lunge. Ein Kampfvokabular direkt aus einem Samurai-Training.</P><P>Erst in dem sich schließlich entspinnenden Trio entsteht zwischen den wechselseitigen Blicken, dem Greifen, Fassen, Zerren und aggressiven Festhalten so etwas wie eine echte Gefühlslage - ein Moment wie aus Sartres "Geschlossener Gesellschaft".<BR>Bis dahin waren es schiere Kraft, physische Geschicklichkeit, Tai-chi-Demonstrationen, medaillenreif ausgeführt.<BR>Unter dem gewiss zentnerschweren Druck der ständigen "zeitgenössischen" Erneuerung hat der Tanz mittlerweile alles aufgesogen, von der Kopfakrobatik der "Konzeptologen" bis zu extremen Bewegungsfacetten aus Sport und Kampf. Kunst wird es deshalb noch nicht.</P>

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