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Regelmäßig ist Bernard Haitink auch Gast des BR-Symphonieorchesters.

DER GRANDSEIGNEUR DER DIRIGENTEN

90. Geburtstag von Bernard Haitink: Die Kunst des rechten Maßes

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Dirigieren ohne Show und Posen, ja, das geht. Bernard Haitink, der Grandseigneur der Zunft, lebt es vor. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag.

London/ München - Irgendwann wolle er einmal so weit kommen wie der große Kollege, pflegt Christian Thielemann zu sagen. Keine Mätzchen mehr am Pult, keine Show, keine Posen, keine großen Bewegungen. Nur noch um die reine Musik soll sich alles drehen, um ihre handwerklich versierte „Herstellung“, nicht um den Interpreten – so, wie es vor über einer Woche wieder bei Bernard Haitink in München zu beobachten war, bei Beethovens Neunter im Gasteig.

Natürlich ist dessen schlagtechnische Kargheit ein wenig dem Alter geschuldet: Heute feiert der gebürtige Amsterdamer seinen 90. Geburtstag. Aber Haitink war schon immer so. Seine Körpersprache ist Ausdruck eines Musikdieners par excellence. Haitink lotst die Orchester durch Partitur-Engstellen, ist ein Meister der Balance, des rechten Maßes und erzielt das alles mit Augenkontakt, uneitlen, knappen Bewegunge und einem manchmal kaum wahrnehmbaren Körperpuls.

Langjähriger Chef des Concertgebouworkest 

All das gibt er regelmäßig an Dirigierstudenten weiter. Wer ihn erlebt hat, wie er etwa bei einer Bruckner-Symphonie die Jugend freundlich bremst, wie er stattdessen rät, die Kraftfelder des Werks zu spüren, ganz simple Auftakte zu geben oder behutsam Phrasierungen anzudeuten, dabei immer auf das Ensemble zu hören, Dirigieren überhaupt als ständiges Wechselspiel zu begreifen, der ahnt, warum die Orchester ihn so mögen. Oder, wie es Maximilian Hornung, der frühere Cellist des BR-Symphonieorchesters, einmal formulierte: „Dann kommt Haitink, macht nichts, und es wird trotzdem geil.“

Bernard Haitinks Karriere ist eng mit dem Concertgebouworkest Amsterdam verknüpft. 1959 wurde er dort Erster Dirigent, 1961 zusammen mit Eugen Jochum Chefdirigent und 1964 alleiniger Leiter. 1988 verließ er das Ensemble im Streit – die Amsterdamer hatten seinen Vertrag nicht verlängert. Nach einer Funkstille kehrte Haitink zurück und wurde 1999 Ehrendirigent. Daneben bekleidete er Chefpositionen beim Royal Opera House in London, beim Festival in Glyndebourne und bei der Staatskapelle Dresden. Auch letzteren Posten gab Haitink übrigens im Zwist auf, was zeigt: Seine Körpersprache am Pult überdeckt ein manchmal reizbares Wesen und ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Sabbatical oder Abschied von der Bühne?

Mittlerweile hat Haitink, der sein Domizil am Vierwaldstättersee verlassen hat und in London lebt, eine Art Verklär-Stufe unter den großen Dirigenten erreicht. Fast ausschließlich musiziert er seine geliebten Bruckner-, Mahler- oder Brahms-Symphonien. Und steht auch schon mal am Pult des Chamber Orchestra of Europe, mit dessen jugendfrischen Musikern er erstaunlich gut harmoniert. Alterstechnisch wird er nur noch vom 91-jährigen Herbert Blomstedt übertroffen, dessen Agilität Rätsel aufgibt – Haitink ist dagegen eher als Grandseigneur unterwegs.

Für die kommende Spielzeit hat der Jubilar ein Sabbatical angekündigt. Das hieße, er will nach einer einjährigen Pause mit 91 zurückkehren. Ein Beleg könnte das sein für seine feine Ironie. Aber auch ein Anzeichen, dass sich Haitink von der Bühne verabschieden könnte – dann wäre Bruckners Siebte mit den Wiener Philharmonikern Ende August in Salzburg einer seiner letzten Abende.

Die Zurückhaltung bei der musikalischen Arbeit hat Haitink einmal im Interview mit unserer Zeitung erklärt. Er halte eben ungern Monologe und begründete dies mit seinem „Vorleben“ als Violinist. „Ich weiß, dass ein Ensemble nicht mehr mitmacht, wenn zu viele Worte fallen. Es gibt nur einige wenige Dirigenten, die etwas zu sagen haben.“

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