Ein Dirigent mit Stimme

- Seit Wochen hängen die Plakate in der Stadt, mit denen der Bayerische Rundfunk auf gut Holländisch seinen neuen künstlerischen Leiter des BR-Chores, Peter Dijkstra, begrüßt. Unter dem Motto "Welkom aan Peter Dijkstra" stand das Antrittskonzert im Münchner Prinzregententheater.

Doch eine Stunde zuvor stellte sich Dijkstra im Gartensaal persönlich dem Publikum vor. Und da staunte man nicht schlecht. Egal ob als Zwölfjähriger mit betörendem, samtig kräftigem Sopransolo und ein Jahr später mit brillantem Altus oder ob als 18-Jähriger begleitet von dem von ihm bisher geleiteten renommierten Männer-Vocalensemble "The Gents": Peter Dijkstra verfügte und verfügt über wunderbare stimmliche Fähigkeiten. Alles dokumentiert auf CDs. Und wenn Dijkstra über Chormusik spricht, weiß er wovon er redet.

Nun steht er, 27-jährig, seit dieser Saison als einer der jüngsten Chordirigenten einem Profi-Ensemble vor, ist jünger als seine Chormitglieder, dürfte die meisten aber mit mehr als ein Meter neunzig Körpergröße überragen. Sympathische Bühnenpräsenz ist bei seiner Ausstrahlung garantiert.

Allein die reine Stimme

Michael Gläser, der bisherige Chorchef, hat Dijkstra ein Spitzenensemble hinterlassen. Und doch ist vom ersten Moment mit Dijkstra alles anders auf der Bühne. Allein die Programmauswahl ist sehr speziell, dürfte gar manchen Musikfreund vom Konzertbesuch abgeschreckt haben: Werke von Benjamin Britten, Ralph Vaughan Williams, Frank Martin und Rudolf Escher - die Kombination alter Texte des 16. und 17. Jahrhundert und "moderner" Komponisten ist nicht jedermanns Sache. Noch dazu weitgehend a-capella. Mit zwei Ausnahmen: Bei Martins "Ode et Sonnet" für Frauenchor durften Bridget MacRae auf dem Cello und bei Brittens "The Ballad of Little Musgrave and Lady Barnard" Christian Chamorel am Flügel begleiten.

Doch gerade diese Konzentration auf die reine Stimme hat klargemacht, wie präzise und diszipliniert der Chor in allen Stimmlagen sprachlich und musikalisch agiert. Wie subtil er die kontrastreiche Tonalität Brittens entfaltet und die wunderbare Vokalität der Stücke Frank Martins freilegt. Über dem Abend lag eine anscheinend mühelose Leichtigkeit. Aber das war ja nur erst der Auftakt . . .

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