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Christian Thielemann will in München bleiben.

Dirigent Thielemann will nun doch in München bleiben

München - Nach den geplatzten Vertragsverhandlungen mit der Stadt München will der Generalmusikdirektor der Philharmoniker, Christian Thielemann, nun doch bleiben und weiterverhandeln.

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Zwei Tage nach den geplatzten Vertragsverhandlungen mit der Stadt München will der Chefdirigent der Philharmoniker, Christian Thielemann, nun doch bleiben und hat um weitere Gespräche gebeten. "Ich liebe dieses Orchester, ich liebe die Musikstadt München und möchte hier bleiben", ließ Thielemann am Freitag über seinen Anwalt mitteilen. Damit äußerte er sich zum ersten Mal zu der am Mittwoch gefällten Entscheidung des Stadtrates, seinen bis 2011 laufenden Vertrag nicht zu verlängern.

Während bereits Spekulationen über einen Nachfolger bei dem weltberühmten Orchester wucherten, hatte Thielemann selber bislang geschwiegen. "Ich habe mit den Münchner Philharmonikern zu viel erreicht, als dass ich mir nicht wünschen würde, die Zusammenarbeit fortzusetzen", schreibt Thielemann. Er hoffe, dass die Entscheidung des Stadtrates nicht das Ende der Gespräche bedeute - "so abschließend sie auch klingt". Trotzdem sei er nicht bereit, um jeden Preis zu bleiben. Knackpunkt des Streits ist eine Klausel im Vertrag, nach der Intendant Paul Müller das letzte Wort über das Programm von Gastdirigenten der Münchner Philharmoniker haben soll - und eben nicht Thielemann selber.

Thielemann schreibt, er habe gar nicht selber die Programm-Macht gefordert. Stattdessen habe er vorgeschlagen, dass das Orchester über Auftritte mit Kollegen entscheiden sollte. Außerdem will er eine Vereinbarung im Vertrag haben, die es ihm möglich macht, bei einem endgültigen Bruch mit dem Intendanten kündigen zu können.

Laut Thielemann hatte sich vor allem der Orchestervorstand der Philharmoniker für mehr Macht des Intendanten eingesetzt. Die Stadt reagierte mit Unverständnis auf die Bitte Thielemanns für weitere Gespräche. "Das ist ein bisschen spät", sagte ein Sprecher. "Das war eine endgültige Entscheidung des Stadtrates." Thielemanns Anwalt Christoph Schmökel hingegen hofft auf den Faktor Zeit. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Parteien nochmals Gespräche führen könnten, wenn sich die Wogen geglättet haben", erläuterte er der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Bis 2011 müssten Thielemann und die Stadt ja ohnehin noch zusammenarbeiten. "Ich denke, der Rauch muss sich erst mal verziehen, und dann werden wir sehen, ob wir einen Scherbenhaufen haben oder ob ein Phönix aus der Asche aufsteigt." Für Thielemann selber sei der Zeitpunkt des Streits extrem ungünstig, denn er probt bereits seit mehreren Tagen bei den Bayreuther Festspielen. Parallel allerdings wurde bekannt, dass Thielemann bereits Interesse an einer Stelle bei der Sächsischen Staatsoper Dresden angemeldet hat. Deren Generalmusikdirektor Fabio Luisi wechselt 2012 nach Zürich. In Dresden will man nach den Theaterferien über das Thema sprechen.

Wie es bis dahin in München aussieht, ist also vielleicht doch noch offen. Thielemann hofft weiter: "Ich wäre sehr traurig, wenn die künstlerische Einheit, die ich mit diesem wunderbaren Orchester erreicht habe und die bei unserem Publikum so viel Zustimmung findet, an einer für mich und jeden anderen Generalmusikdirektor von Rang unzumutbaren Vertragsklausel zerbrechen würde."

dpa

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