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Das Bild täuscht – derart trist sind die Orte nicht, an denen Django 3000 normalerweise auftreten. Jetzt haben die vier Burschen ihre neue CD in die Läden gebracht. „Hopaaa!“ sorgt – einmal mehr – für eine Mordsgaudi.

Hopaaa!

Django 3000: Bledsinn und Lei la la lei

München - Die Djangomania geht weiter, immer weiter. Die vier wuiden Burschen aus dem Chiemgau, die sich Django 3000 nennen und diesen vogelwilden, brutal tanzbaren bayerischen Gute-Laune-Gypsy-Pop erfunden haben, sind zurück.

Ach, was heißt hier zurück. Sie haben endlich eine neue Platte. Weg, nein, weg waren sie schließlich nie, sondern auf Konzerttour quer durch Bayern und sogar quer durch die Republik, auch weit jenseits des Weißwurstäquators haben sie sich mit ihren dialektstrotzenden, stets Hochdeutsch vermeidenden Liedern auf die Bühne getraut. „Vor allem in Hamburg und Berlin kam es wahnsinnig gut an“, sagt Sänger, Geiger und Zwirbelbartträger Flo Starflinger, 32. „Fragmente aus der Sprache versteht man immer.“ Der Rest ist Party. Tanzen. Bier trinken. Feierabend.

Die Lieder von Django 3000 haben keinen aktuellen Bezug, es geht nicht um Politik, um die Klimaerwärmung und auch nicht um die Bankenkrise, stattdessen um Liebe am Lagerfeuer, fesche Madln, noch mehr fesche Madln, Schnaps, die Berge und noch mehr Liebe am Lagerfeuer. Es ist Heimat-Pop im besten Sinne. Abschaltmusik.

Haargenau so läuft das auch auf ihrem neuen Album, Titel: „Hopaaa!“. Die Chiemgau-Djangos sind ihrem Sound treu geblieben. Kurzkritik: Das Ding knallt. Lautstärkenregler bis zum Anschlag aufdrehen – und ab geht die Luzi. Fans werden ihre Freude haben. Auf „Wuide weide Welt“, dem zweiten Stück der Platte, wird das Django-Universum textlich recht gut zusammengefasst. Es ist ein Aufruf, Fünf grade sein zu lassen und zu vergessen, dass der Chef ein Rindvieh und das Leben eigentlich ziemlich anstrengend ist. Der Text, für den man bestimmt kein Volkshochschul-Diplom in Philosophie braucht, geht so: „Mia lossn gwiss koan Bledsinn aus!/ Mia singan: Lei la la lei, la la lei lei.“ Reicht doch. Ein bisserl Bledsinn und lei la la lei, la la lei lei den ganzen Tag durch. Manchmal braucht’s nicht mehr, um auf andere Gedanken zu kommen. Wer einen Computer zur Hand hat, dem sei auch das Video zu dem Song zu empfehlen. Leicht zu googeln, sehr sehenswert – und aufwendig produziert.

Mit ihrem Oberhit „Heidi“, der inzwischen über 800 000 Mal bei Youtube angeklickt wurde, hat alles angefangen. „Es war für uns unvorstellbar, dass es so platzt“, sagt Flo Starflinger. Dass die Rakete Django 3000 so abhebt, damit haben die vier teilweise sehr bärtigen und sehr tätowierten Oberbayern nie gerechnet. Von ihrem Debütalbum haben sie stolze 12 000 Stück verkauft. Sogar eine Einladung zum ehrwürdigen Jazz-Festival in Montreux ist vor einiger Zeit bei ihnen eingegangen. „Das war ein Ritterschlag“, sagt Starflinger.

Aber am allerbesten ist Django 3000 natürlich auf kleinen und mittelgroßen Bühnen irgendwo hier in der Heimat. Da hüpft und hüftwackelt das Publikum schon nach ein paar Takten. Wem das alles nicht reicht, die wuiden Djangos haben für die neue Tour noch ein sehr spezielles Schmankerl auf Lager: Sänger, Gitarrist und Tätowierer Kamil Müller sticht Fans – nach Voranmeldung – das Bandlogo unter die Haut. Das ist kein Scherz, das ist Django 3000. Gelebte Vagabunden-Romantik von vier (Tourbus) fahrenden Gesellen aus dem Chiemgau, die ihre Boarische-Gypsy-Folklore-Halligalli-Masche dermaßen verinnerlicht haben, dass man erst einmal vergisst, dass Django 3000 ein cleveres Kunstprodukt von vier schwer talentierten Musikern ist.

Gerne würde man von den Djangos auch mal ein Liedchen über das echte Leben, über das echte Bayern hören. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie als Karl Mays singende Söhne in die Geschichtsbücher der bayerischen Popmusik eingehen. Vielleicht, nein, hoffentlich passiert auf der nächsten Platte was in der Richtung. In der Zwischenzeit setzen wir uns ans Lagerfeuer, nehmen unser Mädel in den Arm, legen „Hopaaa!“ ein und haben eine Mordsgaudi.

Stefan Sessler

Django 3000: „Hopaaa!“ (Südpolrecords). Konzerte sind etwa in Ingolstadt (25. September), im Circus Krone in München (17. Oktober), in Rottach-Egern (18. Oktober) sowie in Murnau (31. Oktober) geplant.

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