Die Domina aus USA

- Dialoge, in denen die bittere Realität (nur) komprimiert wird, Couplets, aus denen Wut, Verzweiflung oder Zynismus sprechen - wer diese Form des Politkabaretts gut beherrscht, der darf sie weiter pflegen. Doch die Zukunft zumindest der Ensembles scheint in verspielteren Formen zu liegen. Wie sich ein verschwundenes Bild, irre Typen, viel Slapstick, Sprüche und "handgemachte" Geräusche zu einer absurden Geschichte zusammenzimmern lassen, bei der dennoch Gesellschaftskritik aus jeder Ritze schaut, das zeigt die Haustruppe der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, die - nach einem Fehlstart mit dem schwermütigen "Jenseits von Oz" im vergangenen Jahr - nun endlich im Schwabinger "Laden" angekommen ist. Und zwar im doppelten Sinn des Wortes.

<P>Im Mittelpunkt von "Abgehängt" steht Edvard Munchs "Der Schrei". In der Interpretation von Autor (und Mitspieler) Ecco Meineke ein Symbol für den (Auf-)Schrei derer, die "unten" sind und sich endlich Gehör verschaffen wollen. Ein gewisser Spitzweg lässt das wertvolle Stück in Oslo mitgehen - und immer wenn sich der Koffer öffnet, in dem sich das Kunstwerk befindet, reden alle in seiner Nähe Klartext.<BR><BR>Autor Meineke und Regisseur Michael Ehnert nutzen diese Grundstruktur für ein Feuerwerk an Einfällen und ein Panoptikum an Figuren. Es beginnt in Norwegen mit einer skandinavisch radebrechenden Museumsführerin ("Der Srei . . .") und endet, nach einer abenteuerlichen Reise in einem verrückten Airbus, im atomaren Endlager. Dazwischen treten unter anderem auf diverse Bosse, einfache Sachbearbeiter, eine alte Frau, ein perspektivloser Rapper und - "Condi" Rice als Domina aus USA.<BR><BR>Solche rasanten Wechsel können nur mit Fachpersonal funktionieren - und das ist vorhanden. Sonja Kling, die Frau im Quartett, erweist sich als Vollblutkomödiantin, als "Superweib", das auch in Hosenrollen überzeugt. Michael Morgenstern als im Bilderklau ermittelnder Kommissar ist ein Danny DeVito-Klon par excellence, der augenfunkelnd über die Bühne stiebt, und Thomas Wenke gibt, grotesk ausstaffiert mit spitzer Mütze und Plüschpudel, den dämonischen Dieb, den unbewegten Beweger.<BR><BR>Ecco Meineke schließlich - ein kongenialer Interpret seiner eigenen blühenden Fantasie. Er ist der Kabarettist, der stets der Käuflichkeit zu widerstehen versucht. Und so hat (fast) jeder dieser Charaktere seinen ernsten Kern, wächst aus dem Klamauk so manche schöne Politpointe. Großer Jubel. Ein (Auf-)Schrei der Begeisterung, sozusagen.<BR><BR>Bis 25. Juni, dienstags bis samstags, um 20 Uhr.</P>

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