Domingo für alle

- "Der Tag nach der Vorstellung ist der schwierigste", entschuldigt sich der Star. Das Sprechen strenge doch sehr an - verziehen, nach dieser "Pique Dame", die Placido Domingo am Vorabend im Münchner Nationaltheater bravourös absolvierte. Eine "elektrisierende Vorstellung" sei das gewesen, lobt der Gast das gesamte Ensemble, "spannend und nervenaufreibend". Zu David Aldens Inszenierung äußerte sich Domingo freilich vorsichtig: Die Produktion scheine ihm "technisch sehr schwierig" vor allem wegen der vielen Verwandlungen. "Wir hatten gute Proben, aber keine auf der Bühne."

<P><BR>"Vor 31 oder 32 Jahren", erinnert sich der Tenorissimo, hatte er an der Isar debütiert, nun ist er nach vier Jahren Abwesenheit zurückgekehrt. Und wieder, wie schon im Falle der "Carmen" und der "Walküre", wird eine seiner Vorstellungen auf den Max-Joseph-Platz übertragen. Am morgigen Freitag können also alle, die keine Karte ergattert haben, vor der Staatsoper "Pique Dame" auf der Großleinwand verfolgen (ab 19 Uhr). Diese Aktion "Oper für alle", bei der regelmäßig Tausende vor den Musentempel pilgern, wird zum sechsten Mal veranstaltet. Domingo ist ein Mann der ersten Stunde: Mit seiner "Carmen" starteten 1997 die Live-Übertragungen nach draußen.</P><P><BR>Bereits am heutigen Freitag bietet die Staatsoper auf dem Max-Joseph-Platz um 19 Uhr Händels "Giulio Cesare" mit Ann Murray in der Titelpartie. Und wer hätte das gedacht - sogar zum Barockfach hat der sonst für Verdi, Puccini und Wagner Hochgelobte eine besondere Beziehung. "Am Beginn meiner Karriere sollte ich einmal den Sextus in ,Giulio Cesare" singen", so Domingo. Auch eine seiner Wunschrollen, in der er demnächst debütieren wird, ist von Händel: Tamerlano. Dies sei dann die einzige Barockpartie in seinem großen Repertoire. Warum wohl diese Stilrichtung gerade aktuell ist, erklärt sich Domingo so: "Besonders junge Leute mögen Barock. Vielleicht, weil sie genug von atonalen Klängen haben und sich einfach für die Zeit interessieren, in der die Musik geboren wurde."</P><P><BR>Hiesige Domingo-Fans werden demnächst wohl etwas kurz gehalten. Da er die Opern von Washington und Los Angeles leite, bleibe ihm nicht viel Zeit, meint der Spanier. In Europa gastiere er in erster Linie in seiner Heimat Madrid, überdies in Barcelona, Mailand und Wien. Für die Münchner Opernfestspiele 2004 seien allerdings Engagements im Gespräch.</P><P><BR>Zuallererst solle man aber an den morgigen Freitag denken und hoffen, dass die Open-Air-Fans nicht unter Regen leiden müssen. Während Intendant Peter Jonas erwog, in "sämtlichen Münchner Kirchen" für gutes Wetter zu beten, hatte Domingo einen weiter reichenden Vorschlag parat: "Am besten, wir verlegen die Vorstellung gleich in die Kirche, dann sollte es mit dem Wetter keine Probleme geben."<BR> </P>

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