Domino mit Musik

- Sollten die Entscheidungsträger beim BR auch hart bleiben: Wenigstens erfreut sich das Münchner Rundfunkorchester großer Unterstützung bei der Bevölkerung. Rund 20 000 Unterschriften und unzählige Protestbriefe gegen die Auflösung lägen bereits vor, teilte der Freundeskreis des Ensembles mit. Auch viel Prominenz aus Politik und Kultur - von Bundesinnenminister Otto Schily bis zum Komponisten Wolfgang Rihm - zähle zum Unterstützerkreis.

<P>Gut möglich, dass bald um eine weitere Kulturinstitution gekämpft werden muss; um eine Institution, die in ihrer Konzeption und Zielrichtung einmalig ist: um den ARD-Musikwettbewerb, weltweit der wichtigste seiner Art, der in jedem Herbst in München ausgetragen wird. Am 12. und 13. Januar trifft sich die Hörfunk-Kommission der ARD, um über dieses Thema zu beraten.<BR><BR>An der Finanzierung des Wettbewerbs sind die ARD-Anstalten nach einem Schlüssel beteiligt, der sich an den Hörerzahlen orientiert. Und die beiden größten Geldgeber ziehen sich zurück: Der SWR hat zum Ende des Jahres 2005 gekündigt, der WDR will sich ebenso verhalten. Befürchtet wird nun ein "Dominoeffekt", der auf die übrigen Sender ausstrahlt. Wobei der BR, wie zu hören ist, am Wettbewerb festhalten will.<BR><BR>Weltweiter Ruhm, günstig erkauft</P><P>Derzeit trägt der WDR 20 Prozent der Kosten, der SWR 17 Prozent. Nach dem NDR rangiert der "Austragungssender" BR erst auf Platz vier mit 15 Prozent. Allerdings handelt es sich hier um eine im Vergleich zu den sonstigen ARD-Ausgaben marginale Summe - pro Jahr kostet der Wettbewerb insgesamt rund eine Million Euro.<BR><BR>2005, wenn sich die Bewerber in den Kategorien Violine, Cello, Horn und Klavier-Duo messen werden, ist der Wettbewerb finanziell gesichert. Auch die 2006er-Auflage sei zu "zwei Dritteln" geplant, wie Organisatorin Ingeborg Krause berichtet. Sollte freilich die ARD-Sparwut in Sachen Kultur wachsen, droht dem Wettbewerb eine abgespeckte Form, schlimmstenfalls die Abwicklung.<BR><BR>Dabei hat der Wettbewerb seit 2001 noch erheblich an Attraktivität gewonnen. Damals übernahm Christoph Poppen die künstlerische Leitung und initiierte unter anderem Publikumspreise und ein Kammermusikfest, wodurch noch mehr Zuhörer gewonnen wurden. Ohnehin sind die Prüfungsdurchgänge traditionell gut besucht, die Final-Entscheidungen in den Sparten Klavier und Gesang können sich ähnlicher Nachfrage wie Opernpremieren erfreuen.<BR><BR>Seit 1952 brachte der Wettbewerb Preisträger wie Jessye Norman, Thomas Quasthoff und Maurice André´ hervor, wer hier vorne landet, muss sich normalerweise um seine Karriere nicht mehr sorgen. Was bedeutet: Mit rund einer Million Euro pro Jahr ist der weltweite Ruhm vergleichsweise günstig erkauft.</P>

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