Dompteur des Raubtiers

- Die aufsehenerregende Debüt-CD des jungen Pianisten Martin Stadtfeld mit Bachs "Goldberg-Variationen" polarisierte wegen ihrer eigenwilligen Spielart und wurde meistens sehr gelobt. Bach gilt als Stadtfelds Leidenschaft, ist der Ausgangspunkt von allem, doch sein Repertoire reicht vom Barock bis zu zeitgenössischen Kompositionen. In München war Martin Stadtfeld bisher nur mit Solo-Abenden zu hören.

An diesem Samstag stellt er sich um 20 Uhr im Herkulessaal erstmals als Konzertpianist mit Beethovens 3. Klavierkonzert in c-moll vor. Begleitet vom Orchester der KlangVerwaltung München unter Leitung von Enoch zu Guttenberg.<BR><BR>Stadtfeld: "Es gibt Komponisten, die liegen vor einem wie ein offenes Buch. Das geht mir bei Bach ganz extrem so, aber auch bei Beethoven. Ich habe zu ihm einen sehr direkten Zugang, und ich muss um ihn selten kämpfen. Im c-moll-Klavierkonzert spüre ich irgendwie aus der Partitur heraus, was Beethoven damit ausdrücken möchte und wie ich diese Kraft und diesen Geist umsetzten kann."<BR><BR>Dieser direkte Zugang ist Stadtfeld vor allem bei Bach, Beethoven und Mozart möglich. Gespielt hat er das dritte Beethoven-Klavierkonzert zwar schon einige Male, aber noch nicht in so großem Rahmen wie jetzt im Herkulessaal. Für ihn eine Herausforderung: "Bei Beethoven muss man ganz schnell sein, sich hineinstürzen. Man hat da keine Zeit, sich lange auf eine neue Stimmung einzulassen, sondern sie muss quasi wie durch einen Klick im Inneren sofort da sein. Bei Beethoven muss man immer absolut auf dem Punkt sein, dass man dieser Kraftentfaltung auch gerecht wird. Das ist keine reine virtuose Kraftentfaltung wie bei Rachmaninow oder Liszt, die einfach explodiert, sondern eine gezügelte Kraft - und die muss man darstellen. Wie ein Raubtier, das in einen Käfig eingesperrt ist. Man ist der Dompteur von diesem Tier, was einen jederzeit anfallen könnte. Man muss es beherrschen."<BR><BR>Der Umgang mit Tieren, wenngleich wohl eher Kleintieren, ist dem 1980 geborenen Koblenzer vertraut, kommt er doch aus einer Tierarztfamilie. Seit seinem 14. Lebensjahr studiert er an der Musikhochschule Frankfurt bei Lev Natochenny. Seinem russisch-amerikanischen Lehrer hält er bis heute die Treue, sieht ihn alle zwei bis drei Wochen und spricht inzwischen "von einem Coach-Verhältnis". <BR><BR>Bereits als Sechsjähriger wollte er Konzertpianist werden. Dass er jetzt an den Erwartungen mit seiner Debüt-CD gemessen wird, stört Stadtfeld nicht weiter. Seinen Karriereverlauf nennt er kontinuierlich und betont, kein Produkt einer Plattenfirma zu sein: "Ich lasse mich da nicht unter Druck setzen, denn ich habe mir das Ziel gesetzt, mit jeder Produktion die ich mache, mit jedem weiteren Konzert, mit jedem Schritt den ich gehe, immer noch einen drauf zu setzen und mich weiter zu entwickeln. Ich finde entscheidend, dass ich meinen Weg gehe, mich von Tag zu Tag verbessere, und das ist der höchste Anspruch, dem ich gerecht werden kann. Der ist sehr viel höher als der, der von außen an mich herangetragen werden könnte, und von daher muss der mich nicht unter Druck setzen."

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