"Doppel D"

"Doppel D": Rap auf Niederbairisch

München - Manche Dinge scheinen nicht so recht zusammenzupassen: etwa Bairisch und Rap. Die Jungs von „Doppel D“ sehen das anders. Sie fühlen sich ihrer bayerischen Heimat verpflichet – doch eins wollen sie ganz bestimmt nicht sein: CSU-Rapper.

Video:

Ein Youtube-Video der Band finden Sie hier.

Franz Liebl (30) kann gar nicht anders, er will es auch gar nicht. Was auch immer er sagt, es klingt so, als ob er es jemand direkt aus dem Bayerischen Wald herausschreien würde. Liebl ist Niederbayer, ein „Woidler“, wie er sagt – und stolz drauf. Das lässt er auch alle hören, die die neue Platte „B-aYa-N“ seiner Band „Doppel D“ einlegen. Und das klingt dann so: „I vosteh ja dei Wuad, Bua, oba am Bestn mochst an Schua, Bua. Denn wenn da Watschnbaam kippt, dann schau, dass de schickst, weilsd eiknickts, wenn da oana oane bickt.“

Liebl alias Monaco Fränzn, Konstantin Gramalla alias Gräm Grämsn und Markus Hinkelmann alias DJ Spliff stehen zu ihrer Heimat. Im Hip-Hop, das wissen sie, geht es um Authentizität, um „Realness“. „Grod mia miass ma uns do entscheiden“, sagt Fränzn. Die Jungs haben sich entschieden – und rappen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Dass sie dabei nicht jeder versteht, ist ihnen wurscht. „Wennst in an Club gehst, dann ist da des doch a egal, wos die in den Songs do labern – Hauptsach’, der Beat stimmt“, sagt Fränzn. „Und wenn die Amerikaner aus den Südstaaten rappen, dann verstehst ja a koa Wort, wega dem krassen Slang.“

Fränzn, Grämsn und Spliff rappen aber auch deswegen in Mundart, weil ihnen die Reime dann besser über die Lippen gehen. „Das flutscht einfach besser“, sagt Fränzn. „Des Bairische fließt so schee, im Hochdeutschen geht do viel verloan.“ Und das wäre jammerschade. Oder würde ein Track wie „94-Area“, den Doppel D dem Südostzipfel Bayerns gewidmet haben, so schön nostalgisch klingen, wenn sie ihn nicht auf Bairisch rappen würden? In der Gegend, wo die Postleitzahlen mit 94 beginnen und wo die Jungs aufgewachsen sind, gilt das Hochdeutsche schließlich als erste Fremdsprache.

Bei aller Liebe für den Dialekt – Doppel D verstehen sich keineswegs als Heimatpfleger. Ihre Botschaft: Bayern ist mehr als Volksfest, Bier und Franz Josef Strauß. Im Stück „CSU-Rapper“ etwa prangern sie verkrustete Strukturen im Freistaat an. „Die CSU hod’s gschafft, in den letzten 35, 40 Johr die bayerische Kultur mit der bayerischen Politik zu verschmelzen“, so Fränzn. „Sogar die weiß-blaue Flagge wird außerhoib Bayerns mit der CSU assoziiert“, sagt DJ Spliff. „Des woi ma aafbrecha.“

Beim Publikum kann das schon mal zu Irritationen führen. In Augsburg habe ein Mädel mal versucht, die bayerische Flagge nach einem Doppel-D-Konzert mit Streichhölzern anzuzünden, erzählt Fränzn. Woanders wurden die Drei als „Nationalisten“ beschimpft. „Dabei ham mia nur mit Klischees geschbait, Volksmusik mit Hip-Hop-Beats unterlegt und dazu die Flagge geschwenkt. Oba ned moi des ham de junga Leid kapiert.“ Auf der neuen Platte werden sie deutlicher: „I bin koa CSU-Rapper. Sogst no oa moi CSU-Rapper, nimm Gift draaf, dass scheppert.“

Den Titel haben Doppel D mit ebenso deftigen wie fetzigen, nach 80er-Jahren klingenden Videospiel-Beats unterlegt. In Fränzns Wohnung, dem Band-Studio, tüfteln die Jungs lange am Sound, das sei ihnen wichtig, sagen sie. Damit haben Doppel D sich in der aufblühenden Münchner Musik-Szene einen Namen gemacht. Hier tummeln sich vielversprechende Bands wie Creme Fresh oder Schlachthof Bronx, die nun in Portugal oder Südafrika auftreten sollen. Erst mal treten sie im Video zu „Watschnbaam“ auf. „Mia mecht ma damit zeigen, dass es tatsächlich a Szene in Minga gibt“, sagt Fränzn. Sie ist vielleicht nicht so groß wie die in Berlin, aber: Es geht was – auch in Bayern.

von Thierry Backes

Doppel D: „B-aYa-N“ Eigenvertrieb; 10 Euro plus Versand, Bestellung über shop@doppel-d.com.

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