Im Doppelpack

- Ach, dieses Gift. Aber er wird doch nicht auf dem Kontrabass-Hocker verröcheln? Am Busen der Holden letzte Tenortöne verschluchzen? Doch nein, ein letztes Mal stützt sie ihn, führt ihn zur Rampe, auf dass beide - "Gesegneter Dolch" - im vorteilhaften Scheinwerferglanz dahinscheiden, untermalt vom finalen Aufwallen süßlichster Klänge.Regie muss also gar nicht sein, wenn Angela Gheorgiu und Roberto Alagna, der singende Doppelpack, engagiert werden und - Handkuss, Wange an Wange, Klammergriff - ausführlichst und zum Plaisir des ausverkauften Hauses ihre Ehe zelebrieren.

<P>Wo doch ohnehin Salzburgs Festspiele zu den wenigen Veranstaltern gehören, die Gheorgius absurd hohe Gagen-Forderungen zu zahlen bereit sind. Wiens Operndirektor Ioan Holender ist jedenfalls mit der Dame fertig: Frau Gheorgiu, so schnaubte er einst, sei schließlich nicht Hausherrin am Ring. </P><P>Nun also Gounods dreistündiger Schmachtfetzten "Roméo et Juliette" als konzertante Aufführung im Großen Festspielhaus, beide Stars umrankt von hoch achtbaren Kollegen, dem wackeren Radio Symphonieorchester Wien samt präzisem Staatsopernchor sowie Dirigent Bertrand de Billy. Und der gestattete sich nur in den Zwischenspielen Duftig-Sentimentales, offerierte ansonsten vom deftigen Humtata im Ball-Bild über den schillernden Witz der Mab-Ballade bis zum hochdramatischen Degen-Gekreuze eine Farbpalette, die man Gounods Partitur gar nicht zugetraut hätte.</P><P> Mögen museale Diven-Gesten auch nerven: Stimmlich bildete Angela Gheorgiu tatsächlich das Zentrum des Abends, veredelte die Julia-Partie mit samtig-dunklem Sopranglanz, klug nuancierter Finesse, verzwitscherte auch die gefürchtete Koloratur-Arie nicht, enthielt ihren Fans indes (warum nur?) Julias zweite große Szene vor. </P><P>Die Fallhöhe zum Gatten war jedenfalls grotesk tief, blieben doch die weißen Diner-Sakkos das beste, was Roberto Alagna zu bieten hatte. Immerhin: Laut ist er. Aber statt tenoraler Feinarbeit lieferte Herr Gheorgiu nur Schmelzloses, Gestemmtes; sein völlig überreiztes Material erlaubte ihm vor allem im Forte allenfalls mühsam gedecktes Krähen. </P><P>Erholung bot da der gern benutzte Kontrabass-Hocker, den Alagna - Achtung, Spitzenton! - zur Applausförderung "spontan" wieder verließ. Mehr als nur Star-Garnierung die Kollegen: Manuel Lanza (Mercutio) demonstrierte gleichsam als Antithese zu Alagna, dass Gounods Partien eben doch Schattierungen erlauben, Roberto Scandiuzzi (Bruder Lorenzo) badete meist in satten, knorrigen Bassklängen, Philippe Rouillon (Capulet) operierte vorwiegend im oberen Dezibelbereich, und Daniela Barcellona stahl der Gheorgiu kurzzeitig die Schau, motzte sie doch den Pagen Stéphano glatt zur Eboli auf. Bravi, Blumen, fleißiges Gewinke der Diva: Wir kommen wieder, sogar schon am Samstag, 19 Uhr, zur Reprise der Aufführung.  </P>

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