Doppelter Titelheld

- Eigentlich kennen das die TV-Verantwortlichen ja von diversen Stadln oder volkstümelnden Klangscheunen: Menschen, die lautlos den Mund auf- und zuklappen und dies zu Musikzuspieler als Live-Gesang verkaufen. Nur, für eine Opernaufzeichnung bedeutet das natürlich den GAU. Der Bayerischen Staatsoper ist das jetzt passiert, als Zoran Todorovic bei "Roberto Devereux" mit entzündeten Stimmbändern passen musste. Er spielte zwar, ließ sich aber vokal vom wackeren Tracey Welborn vertreten, der am Bühnenrand stand. Ein nahezu perfektes Playback, vom Belcanto-Experten Friedrich Haider am Pult sicher gemanagt.

<P>Plangemäß verlief dagegen eine weitere Neuverpflichtung dieser Donizetti-Aufführung: Albert Schagidullin folgte als Nottingham auf Paolo Gavanelli. Das brachte einen reizvollen Schuss Jugendlichkeit in den Abend. Schagidullin spielt den Wandel vom fast verschüchterten Anzugträger zum verbissenen Rächer glaubhaft, wartet dazu mit kernigem, rauem, manchmal etwas gequetschtem Bariton auf, das passende klangliche Gegenstück also zur großartigen Jeanne Piland (Sara).<BR><BR>Dass all dies nebensächlich wird, sobald "La Regina" die Bühne betritt, versteht sich von selbst. Mehr als bei allen ihren übrigen Partien hat sich Edita Gruberova die Elisabetta geradezu anverwandelt. Und fast schien's, als ob sie noch intensiver, noch leidenschaftlicher agierte als in der Premierenserie. Dazu offerierte sie Piano-Wunder, Phrasierungszaubereien, gewohnte Ausflüge in Stratosphären-Bereiche, auch den Mut zu verzerrter, hässlicher Tongebung.<BR><BR>Ein Rollenporträt, das selbst hartgesottenen Abonnenten den Atem raubte und nach der sensationellen Schlussszene einen wie befreienden Schrei des Publikums provozierte. Dazu trug natürlich auch Christof Loys so hochspannende wie uneitle Inszenierung bei, die demonstriert, wie nah uns heute eine fast 200-jährige Oper gehen kann. Diese Aufführung macht süchtig - was sich auch bis zum BR herumgesprochen hat, der den derzeitigen Zyklus mitschneidet, das Dritte Programm strahlt "Roberto Devereux" wohl im Herbst aus. Dabei hätte die Produktion wirklich Samstagabend nach der "Tagesschau" verdient.</P><P><BR> </P>

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