Das Doppelwesen Faust

- "Bühnenmaler" als Berufsbezeichnung anzugeben, ist glatt untertrieben. Was immer der Genueser Emanuele Luzzati tat, es führte ihn konsequent zur nächsten Etappe. Die Bühnenbildnerei war sicher diejenige, die ihn am berühmtesten machte. Und insofern alle seine Arbeiten - ob Märchen- oder Plakatillustration - kleine Bühnen, neckische Szenerien sind, ist "Bühnenmaler" im weiteren Sinn dann doch ein treffender Nenner für all die Vielfalt dieses Künstlerlebens. Eine kleine Ausstellung von Serigrafien ist derzeit in den Räumen des Europäischen Patentamtes in München zu sehen: "Die phantastische Theaterwelt des Emanuele Luzzati".

<P>1921 geboren, muss Luzzati aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1938 Schule und Heimat verlassen. Im Exil in Lausanne besucht er die "École des Beaux Arts" und malt 1944 sein erstes Bühnenbild für "Salomon und die Königin von Saba". 1945 kehrt der Exilant nach Italien zurück, die Bühnenbildnerei führt ihn zu Masken-, Kostüm- und Textilgestaltung, dies wiederum zu ersten Keramikarbeiten. Ende der 50er-Jahre probiert er sich als Zeichentrickfilmer, was ihm insgesamt zwei Oscar-Nominierungen einbringt. Und weiter geht es folgerichtig mit Märchenbuch-Illustrationen.</P><P>Bei aller Vielfalt bleibt der Maler seinem Stil treu: dem märchenhaft Verspielten, kindlich Verschmitzten, bunt Beschwingten. Ob es sich um die in eine Collage aus Musterpapieren gewandete "Königin der Nacht" im Zeichentrickfilm "Die Zauberflöte" (1978) handelt oder um einen prallen, roten "König Ubu" (1981) eines auf den grafischen Witz reduzierten Plakats. Eine Märchenfigur ist selbst sein Faust - als Ankündigung einer Aufführung aus dem Jahr 1967: ein Doppelwesen, links der feine Herr mit Handschuh und Fliege, rechts ein düsterer Dämon mit diffusen Konturen.</P><P>Selbst wenn Luzzatis Siebdrucke zu Bühnenbildentwürfen selten Collagen sind, haftet ihnen etwas Zusammengesetztes an: durch die Kombination von klassizistischen und modernistischen Bauelementen, die auch an das stilistische Nebeneinander seiner Heimatstadt Genua erinnern. Und durch die fantastischen, wie aus Buntpapier ausgeschnittenen Figurinen. Zeugnisse eines üppigen, manchmal überbordenden Gestaltungswillens und Künstlerlebens. <BR></P><P>Bis 14. November. Kulturklub des Europäischen Patentamtes, Erhardtstraße 27; Infos: 089/ 23 99 11 11.<BR></P>

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