Wie ein Dreher in der Fabrik

- Mechaniker, Lokomotivführer oder Pferdezüchter wäre er gern geworden. Zu Dreharbeiten ging er "wie ein Dreher, der in die Fabrik muss", und seine ersten Filme habe er ausnahmslos "ohne jede Begeisterung gespielt". Für Jean Gabin, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, war die Schauspielerei stets ein "Idiotenberuf", den er mehr als einmal an den Nagel hängen wollte. Gut, dass er es nicht getan hat. Die Kinogeschichte wäre um ein paar grandiose Filme ärmer.

<P>Mit zwölf Jahren läuft der kleine Jean weg, tingelt durch die Lande. Arbeitet als Laufbursche, schleppt Steine auf dem Bau. Mit 18 Jahren lässt er sich aufs Theater ein. Bei den Folies Bergè`res beginnt er in kleinen Rollen. Der charmante junge Mann mit dem außergewöhnlichen Sprechstil kommt gut an.<BR>1930 beginnt dann Gabins Filmkarriere. "Jedem seine Chance" heißt der erste Film, und der Titel trifft auch auf den jungen Franzosen zu. Der Anfang ist mühsam, seine Rollen bezeichnet er selbst als "Quatsch". "Zwei Regisseuren verdanke ich alles", erklärte Gabin später einmal. Julien Duvivier, mit dem er "Pé´pé´ le Moko - Im Dunkel von Algier" drehte, habe ihm die Technik beigebracht. Jean Renoir, der ihn in "Die große Illusion" und "Bestie Mensch" einsetzte, lehrte ihn das locker-leichte Spielen und Improvisieren.</P><P>Als fatalistischer Antiheld machte Gabin Karriere, Filme wie "Nachtasyl", "Das träumende Herz", "Der Tag bricht an" oder "Wenn es Nacht wird in Paris" zählen zu den wichtigsten seiner Laufbahn. Anfang der Vierzigerjahre reist Gabin nach Hollywood - mit mäßigem Erfolg. Privat hatte er bei seiner Rückkehr Ende des Jahrzehnts Interessanteres zu erzählen: von seiner Liaison mit Marlene Dietrich oder seiner Affäre mit Greta Garbo, die den mürrisch-maulfaulen Weiberhelden mit ihrer Eifersucht fast in den Wahnsinn trieb. In den meisten Rollen war er der Ganove - oder der Trenchcoat-gewandete Ermittler. Als Kommissar Maigret mit der obligatorischen Pfeife im Mundwinkel, als normannischer Bauer oder galanter Frauenarzt - Jean Gabin spielte meist die harten Burschen mit dem weichen Kern. Mit lässig dahingeworfenen Gesten und nahezu unbeweglicher Miene war er das Coolste, was Frankreich filmisch je zu bieten hatte. Dass seine letzten Worte angeblich "Merde, merde, merde" waren, passt nur zu gut in die Legende vom Unterwelt-erfahrenen, bärbeißigen Querkopf, die er Zeit seines Lebens kultivierte.</P>

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